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Christa Ritter's Blog

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Allein in der Community

Bist du ein #Einzelgänger, fragte mich kürzlich meine Groß-Nichte. Sie wird in einer #Kleinfamilie groß. Natürlich in einer heutigen, die schon so viel offener ist, als die der bleiernen Vor-68er-Zeit. Als sie mich fragte, war ich gerade bei meiner Blutsfamilie zu einer #Hochzeit angereist. Ich fühlte mich in dieser alten Welt etwas fremd, aber längst nicht mehr so fremd wie früher. Eigentlich kam ich mir wie ein #Alien vor, der sich mal auf dem alten Planeten umschaut. Sympathisierend. Dann dachte ich über diesen Begriff Einzelgänger nach und stieß dabei auf die Zweifel, die mich immer mal wieder packen. Die Zweifel, ob als einzelgängerische Frau, als weiblicher Single ein gutes, ein besseres Leben als die Ehe oder Beziehung überhaupt möglich ist. Kann es einer Frau gelingen, sich von der Eva-Rolle, von ihrer Definition über den anderen, meist einen Mann, zu befreien, um sich selbst zu erkunden? Wird es mir gelingen?

Mit diesem Ziel tat ich mich vor 40 Jahren mit vier Frauen zusammen. Sie waren auf demselben Weg. Frauen mit mehr oder weniger #Beziehungsfrust wollten endlich zu sich kommen, zu Einzelgängerinnen werden, high und #postgender. Ich, als eine Frau auf gleicher Augenhöhe: Aus dem eigenen Inneren schöpfend mich minimal in der Welt bewegen.

Diese 40 Jahre wurden dann sehr aufregend. Es gab keinen #Trampelpfad, alles für mich unbekannt. Entsprechend oft war ich verzweifelt oder aggressiv gegen jede und jeden und alle anderen waren schuld. Aber dieses #Labor war auch wunderbar, wichtig und eigenartig schön – sonst hätte ich die Koffer gepackt. Den anderen Frauen ging es wohl ähnlich. Auch um diesen Weg nicht leichtfertig viel zu oft als Stillstand zu erleiden, machte ich in diesem Jahr das Buch #soists mit #RainerLanghans. Ich habe ihn früher mal meinen #Vortänzer genannt, einen Mann, der immer wieder und unermüdlich das Licht in mein Dunkel hält, wenn ich nichts mehr sehe. Das Buch erzählt Rainers Sicht auf die Welt, wie sie sich dank dieser #68erVision bis heute ins #Internet und höher/weiter verändert. Er schaut dabei natürlich durch seine persönliche Erfahrungs-Brille. Aber mir gefällt sie, ich kann darin immer wieder mal eine Resonanz zu meinem Weg entdecken. Und ich vermute, so könnte es jedem gehen, wenn er denn von seiner inneren Seite, dieser so unbekannten, aus sich zu schauen trauen will. Manchmal: in Not ist. Okay, wir haben für uns etwas scheinbar Besonderes, eine weibliche Kommune, den #Harem, erfunden.

Aber wir sind nicht die einzigen Einzelgänger, besonders, seit es das Internet gibt. Dieses Tool, das wissen wir ja, ist eine große #Community, das uns mit Freunden weltweit verbindet, die sich auch manchmal virtuell aufeinander als #Hater stürzen. Gehört zum weniger Lügen dazu, haben wir im Harem auch oft gemacht: Da musst du durch, um nach oben zu finden. Schritt um Schritt. Vorausscheitern, nennt das Rainer. Für die Jungen ist die weltweite Kommune schon kein großes Ding mehr: Das Internet löst also das Modell #Ehe, Einzelbeziehung schon lange auf. Immer mehr Freunde als Einzelgänger schenken #Facebook und anderen #SozialenMedien ganz easy all ihre privaten #Daten und bevölkern so eine schönere Heimat oder Ehe mit allen. Ob das ahnend meine kleine Groß-Nichte mit ihrer Frage meinte?

Foto: Jutta, Rainer und ich (in den Achzigern)

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Da will was raus!

Nach dieser verrückten #68er Zeit, die mich in etwas Neues wirbelte, das ich noch gar nicht kapierte, las ich erste frauenbewegte Bücher aus den USA und England. #BettyFriedan (Ihr habt nichts zu verlieren außer eurem Staubsauger!), #KateMillet oder #GermaineGreer. Alles ist möglich, nur wie und was? Auch ich wollte eine ganz andere Frau werden als meine Mutter oder #Twiggy#MaryQuant oder #Barbarella. Wer bin ich? Immer mehr Freundinnen enttäuschten mich: Sie waren ganz schnell weg, sobald ein Mann auftauchte.

Trotz #Frauenbewegung und guter Vorsätze. Der Mann blieb also trotz Aufbruch die einzige Referenz für jede von uns? Etwa auch für mich? Nicht wirklich, glaubte ich. Aber ich blieb verstört, enttäuscht und landete damit zunächst beim #TMMaharishi und seiner #Meditation, eine Freundin in #Auroville, zwei bei #BaghwanOsho.

Die Frauenbewegung war zu unseren Ungunsten gestartet, hatte verkündet, nur die Männer müssten sich schwer ändern, damit auch Frauen besser leben als bisher. Nichts als eine Sackgasse? Was sollten uns die Gurus erzählen? Wieder jemand von außen, wieder ein Mann. Wie geht mein Frauenweg, wenn ich zu mir selbst kommen will, statt weiter auf den Mann zu starren? Keine Chance, nirgendwo: Egal, wohin ich mich in dieser Men’s World wende, immer ist sie geprägt von männlichen Genies, Politikern, Machern, Könnern. Eine einseitige Welt, in der ich als Frau immer im Schatten stehe. Opfer statt Täter? Ich müsste also einen weiblichen Raum finden, um zu üben, und um so den Weg aus meiner #Biologie herauszufinden? Aus den einzigen geübten #Rollenbildern für uns: Mutter, Geliebte, Hausfrau. Immer den Mann im Blick statt mich? Das war mir Mitte der Siebziger, mitten im großen Frust, gar nicht so klar. Klar war nur, dass es mir schlecht ging und ich ratlos vor mich hin driftete. Sogar in Richtung Traumjob: #Filmemachen, schwer besetzt von Männern. Welche Chance hatte ich? Denn ich war nicht bei mir, kannte mich nicht die Bohne. Vielleicht war es dann ein großes Glück, dass ich diesen #ExKommunarden traf, der schon aus dem üblichen Männer-Dominanz-Geschäft ausgetreten war, in das er dank zuvor #KommuneI auch nie wirklich eingestiegen war. Für ihn war längst auch Uschi vorbei, er hatte einen Meister für die Strecke des Raus-aus-dem-Biologischen gefunden. Und schon andere Frauen übten in seiner direkten Nähe diesen unbesetzten, weil not-wendigen, ersten weiblichen Raum: Wer bin ich?

Als ich diese Leute traf, ahnte ich, wie schwer es auch für mich würde, wenn ich mich zu dem geselle, was später die Medien einen #Haremnannten. Aber ich wusste nichts Besseres. Das geht bis heute so, trotz aller Höllen, die sich bald auftaten. Wir Frauen kannten zunächst ja unsere düstere Seite nicht, wollten sie aber erlösen, die dort gebunkerte Kraft erleuchten. Heute würde ich mich über die Erfahrungen seitdem gern auch mit anderen austauschen. Oder noch immer zu feige, brütend im Versteck? In welcher Sprache? Sprachlosigkeit überall? Denn auch der heutige#Feminismus hat sich aus der Sackgasse noch nicht befreit. Also redet bisher noch nur mein Gefährte, so in seinem Buch #soists – und ich bin die Ghostwriterin. Immerhin, stottert es in mir. Scheiße! Erzähl doch mal von dir, fordert gerade auch immer mal wieder Gisela. Wer noch? Sogar meine Speiseröhre speit Feuer und ätzt die Mundhöhle. Da will was raus!

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Autisten aller Länder

Gestern Geburtstagsparty bei einem Freund. #Asperger oder #Autisten, wohin ich schaue. Wie ich. Durch das Buch #soists von Rainer angestoßen, eine relativ neue Erkenntnis meines Wesens, die plötzlich vielen Spuren hinter mir eine genauere Färbung gibt. Autistin? Ja, ist vielleicht etwas plakativ. Ich meine dieses von Anfang an Unfähige, dieses Nichtkönnen, mich mit der alten, für mich letztlich immer eigenartig unzumutbaren Welt zu verbinden. In #Beziehungen wie in meinem Karriere-Gewusel. Immer etwas Schräges, Unglückliches. Nicht, weil ich eine #Frau bin. Könnte natürlich auch ein Grund sein oder ist er das sogar? Nö, da ist mehr: Ich sah die Menschen von klein auf immer als Lügner. Später verdeutlichte sich meine Macke: Ich wurde einerseits immer spröder, andererseits gab es bei mir seit 68 auch ein oft peinliches Talent zur #Extroversion. Grenzenlos, himmelhoch jauchzend. Du bist ziemlich dominant, sagt mir noch heute eine Freundin. Und meint mich, wenn die beiden Seiten nicht zusammen gehen und daraus dieser überdrehte Schwang entsteht. Überwältigung vielleicht. Zurück zum Autismus, den ich inzwischen bei vielen Jungen sehe und schon bei den #Piraten, ja, allen #Nerds entdeckte. Heißt: Hier heimatlos, woanders richtiger. Im Virtuelleren, glaube ich. Ich vermute, das war schon immer so, verstärkt dann durch meine 68er Erfahrung. Es gibt nämlich so viel mehr, besseres, wie eben immer, aber besonders damals gefühlt. Ist also irrational? So wie beim #Trump? Verzeiht. Diese kurze Frage streiche ich gleich wieder. Ist gedanklich-gefühlt noch unausgegoren. Ich konnte und wollte wohl auch mich HIER nicht so einsetzen, dass es ein Gelingen in Normalität hätte werden können. Stattdessen Rückzug, Harem, auch verrückte Projekte, immer was erneut Scheiterndes. Ich konnte mich nicht greifen. Nicht im Körperlichen. Und jetzt? Wie lautet der Stand der Dinge einer irgendwie sich jung behauptenden #Alten? Mir scheint, dass wir alle ziemlich wackelig, aber doch gut auf dem Weg sind: Facebooker, Geburtstagsfreunde, Hochzeiter auf einem alten Fischerboot. Ich finde: alle irgendwie freundliche #Aliens. Umso merkwürdiger diese #Wahlplakate

8. August 2017
von Christa Ritter
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Die Politik der Liebe

Heute aufgestöbert: Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Hardt schrieb über 68 und den Summer of Love in ‚On the Politics of Love‘ (Die Politik der Liebe). Er erklärt darin, dass wir dank der damaligen Erfahrung schon lange einer erweiterten Vision der Liebe folgen. Wir lassen ihre herkömmliche Art hinter uns und gehen ständig weiter. Wir lieben nicht nur unsere Familie und unsere Partner, sondern immer mehr auch den Anderen, den Andersartigen. So würde Liebe langfristig zu einer Kraft, die die Gesellschaft zum Besseren verändert. Das Tool dazu ist das Internet.

21. Juli 2017
von Christa Ritter
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Das Private ist politisch

Das Private ist politisch? Was heißt das denn eigentlich? Dich selbst verändern, verbessern und dazu das Tool Internet nutzen, möchte ich diesen Satz verstehen. Kann man auch anders ausdrücken? Na klar, wie Rainer Langhans in #soists. Der Satz stammt aus der Kommune I, damals 1967, schreibt Rainer. Meint: Revolutionierung des Alltags. Also so sein, wie du eigentlich bist. Ein langes WERDEN wie du bist. Heißt letztlich: Keine Privatsphäre, also nichts vom Öffentlichen abgetrenntes Privates, schön im Häusle verborgen. Also alles ins Netz! Meint: Allgemeine Zärtlichkeit als Runterfahren von Konsum und Sex, also kein übliches Besitzgetue, an nichts und niemandem. Oh nein! Geht das? Love and Peace haben wir als Junge das weltweit auch genannt. Wir wissen, zumindest ahnen heute: Der alte Krieg der Körper ist uncool (war #G20 in HH auch nicht).

Dieser Satz weist auf den Ausstieg aus unserem Scheißleben, den wir schon üben: Auf Twitter und Facebook alles teilen, alles mitteilen. Befreit alle Daten aus ihren Gefängnissen, so Rainer. Totaler Kontrollverlust, kein geistiges Eigentum, Communities und 1,9 Milliarden Freunde. Das verändere die Welt tiefgrundmäßig. Sie wird durch die neuen Medien jeden Tag ein wenig besser, geistiger. Cooler. Noosphäre. Durch jeden von uns! Gute Nachricht in all dieser derzeitigen Unübersichtlichkeit. Wir sind laut diesem Vorreiter, also vielleicht doch längst ein Schritt raus aus dem Turbo-Waren-Exzess, der Gewalt, dem schlechten Leben.Wenn wir es denn sehen können.

16. Juli 2017
von Christa Ritter
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Welcome to Hell!

Aus Hamburg Bilder brennender Autos, zerschlagene Scheiben, schwarz-Vermummte. Nee, Gewalt, die geht gar nicht, kommentiere ich und komme mir gleich wie eine Alte vor. Ist ja wie damals, als hätten wir seitdem nichts gelernt. Ein Freund, scharf: Na, was denn? Was haben wir seitdem gelernt? Dass die Linken wie Neoliberale sind und auch nichts ändern? Da haben diese Leute doch recht! Bei mir kurzes Luftschnappen: Aber doch nicht wieder mit dieser Gewalt! Ein kurzer Flashback: Damals gings auch gegen das Scheißsystem, war ich Sympathisant. Macht kaputt, was euch kaputt macht. Die Krake Kapitalismus. Und seiner Gewalt, die mir als Antwort einer tiefen Verzweiflung gerechtfertigt schien. Damals. Tatsächlich ist die Welt nicht besser geworden, eher schlechter. Es ertrinken Hunderte im Mittelmeer, verenden in Flüchtlingscamps, brechen Staaten auseinander. Und wir sind Exportmeister, auch dank unserer Waffengeschäfte. Welcome to hell! Da soll man nicht draufhauen wollen?

Es muss anders gehen. Wer sagt das nicht? In unserem Harem-Labor haben wir vor Jahrzehnten den Besitzwahn in Angriff genommen. Auflösen: Jede Frau für sich. Uns schockierte bald, dass da ein schwerer Brocken zu bewältigen ist. Daher: Es dauert an. Frauen hängen wie blöd an der Mutter oder am Vater, jedenfalls am Materiellen. Wissen sie das? Auch ich bin noch immer nicht durch. Neid, Habgier, Eifersucht – alles schon erheblich weniger, bilde ich mir ein. Jetzt könnte ich mich von zwei auf ein Zimmer verkleinern. Geht nicht. Noch nicht. Ist das zu fassen? Welcome to hell. Oder mit mir mal freundlich zu sein, mit dir. Wenigstens hier im Netz. In unserem Buch #soists sagt #RainerLanghans: Es gibt endlich einen Ausweg aus der Hölle des ewigen Krieges: das Internet. Wir benutzen es, kommunizieren, teilen mit der Community. Das ist schon Freundliches, auch der Shitstorm. Er gehört erstmal dazu. Den Keller aufräumen, lieben lernen. Lest mal im Buch, das könnte dem Bewusstsein helfen. Oder ist Rainer ein Träumer?

13. Juli 2017
von Christa Ritter
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Frauen anders in die Medien

Mehr #Frauen, vor allem ältere, auf die Kinoleinwand, überhaupt endlich auch Geschichten aus weiblicher Ermächtigung in die #Medien. So fordert eine Studie, die gerade in #Berlin vorgestellt wurde. Klingt gut. Aber: Noch gibt es in unserer #Gesellschaft die Frauen als selbstverantwortlich Handelnde nicht. Der Blick von uns Frauen gilt immer noch dem #Mann, selten uns selbst. Die neuen Geschichten unseres Wandels seit 68 bleiben bis heute verborgen im Privaten, vielleicht sogar noch für uns selbst häufig hinter Depressionen versteckt. Also gibt es davon auch keine Drehbücher, Romane oder Filme, entspricht selbst unsere #Körpersprache noch nicht den Erfahrungen weiblicher Authentizität auf dem Weg zu einer neuen Frau. Oder besser #postgender: einem neuen Menschen. Im derzeitigen Film und Fernsehen, so wohl die Kritik der Studie, sucht Jane immer noch ihren Tarzan,  der erfolgreicher, als sie es je könnte, von Liane zu Liane schwingt oder Jane stolpert als ewiges Opfer ihrer Verhältnisse, in ein Rattenrennen, das sie spätestens ab der Menopause ausspucken und zur Hexe machen wird. Aufgrund meiner Erfahrung, auch aufgrund der Studie, zeigt sich: Solche Geschichten aus dem weiblichen Schattendasein, die in diesen Tagen in den Medien noch immer erzählt werden, sind überholt: Wir langweilen uns.

In der vorigen Woche bat mich eine Gruppe von #Polyamoren darum, doch mal meine Geschichte zu erzählen. #Selbstermächtigung der Frau, so nannten sie das. Gibt es die schon? Auch ihr Privates ist politisch? Kann ich dazu etwas beitragen? Ich habs versucht, zaghaft, zu ausführlich, auch eitel und musste sehen, ich kann noch kaum über mich reden. Wer bin ich? Die Frage blieb ziemlich offen. Obwohl ich mit den anderen Frauen an #Langhans Seite schon seit 40 Jahren aus der alten Jane oder alten Eva ganz schön voran gescheitert bin (wie Langhans das in seinem Buch #soists nennt). Trotz des Wenigen, das ich nur zu sagen vermochte, war der Abend gut. Als ein kleiner Anfang erster öffentlicher Selbtermächtigung. Weitermachen, ermutige ich mich, auch hier mit euch.

So ist es auch ein gutes Zeichen, wenn diese Studie auf ein Dilemma hinweist: Wir Frauen sind mit den alten Geschichten nicht mehr zufrieden. Daher verlangen wir nach unseren neuen, die wir noch kaum erzählen können. Nicht von anderen, wir verlangen sie von uns.  Das freut mich: Ja, wir sind auf dem Weg. Kleiner Tipp: In den beiden letzten Wochen sah ich zwei Filme, die von Frauen etwas Utopisches zeigten: Lucy und Axolotl Overkill. Okay, beide Protagonisten darin sind jung. Die neue Ältere muss auf ihr Leinwanddebut wohl noch etwas warten…

4. Juli 2017
von Christa Ritter
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Trump als Teddy

Schaut ihr auch manchmal bei #Kulturzeit rein? Gestern kam #Pynchon vor, dessen erste Bücher (zB „V“) ich damals verschlungen habe. Durch sein 68 visionierte er darin, so lautete der Kommentar: Niedergang von Aufklärung und Vernunft. Finde, das stimmt. Seit damals übe ich/üben wir alle vielleicht nicht den Niedergang, aber die „Erweiterung“ dieser beiden Phasen. Aufklärung 2.0 wird das in #soists genannt. Oder vorwärtsscheitern. Was in #soists auch thematisiert wird: Wenn man weitergeht, also aus dem Bekannten raus, ist das immer erstmal irrational. Nur das Vertraute, das alte Leben erscheint rational. Sobald das Neue dann wieder eine Weile vertraut wird, erscheint auch dies uns rational, nicht mehr wie zuvor irrational. Phasen der Evolution.

#Loveoutloud. Auf der FB-Timeline. Da wird neben den ganzen Fights against #Trump endlich sogar dieser Mann auch mal umarmt. Wenn auch nur als Teddy. Ob die #Tweets mit den Fotos davon wirklich bei ihm ankommen?

 

8. Mai 2017
von Christa Ritter
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#heiter weiter

Liebe Freunde, hinter den Kulissen, also unseren Fassaden, siehts schwierig aus. Geradezu faschistisch oder kriegerisch. Seit die #68erErleuchtung uns aus der Versorgung von oben/wir unten für ein Moment befreite. Denn nun gewinnen wir Verantwortung für uns selbst, jeder auf seinem Weg, auf seine Weise, weltweit (siehe #Trump) wie es auch in #soists von #Rainer beschrieben wird.

Die Folge seitdem: Private Kriege in den Herzen, in den vier Wänden, aber entsprechend ebenso draußen als #Shitstorms oder #FaschistenHate von uns #Liberalen, auch hier bei FB. Hässliche Übergänge der Gewalt in eine bessere, weil virtuellere Welt. Ich habe mit meinen Haremsfreundinnen und Rainer seit Jahrzehnten am Krieg von uns Frauen gewerkelt. Wir sind dabei den schwierigen Weg gegangen, in uns #Eifersucht, Besitzwahn, Geltungsbedürfnis, Rivalinnen-Schwachsinn zu weiblicher Täterschaft umzuwidmen, um diese tollen Energien, die dort bisher gespeichert sind, freizusetzen. Für unser persönliches Wachstum als spirituelle oder geistige, selbstbewusste Frauen. Schon an der Zeitbeschreibung „Jahrzehnte“ seht ihr: Es dauert. Es ist mühsam und du willst sehr häufig sogar die eigenen, so wertvollen Bemühungen am liebsten löschen. Es ist wahr: Diese Hölle ist nichts für Feiglinge. Aber sie zu erleben, sie sich geradezu vor Augen zu halten, sie also zu durchleiden, ist not-wendig. Ich würde sagen: Erst dadurch erlebst du dich ja als Frau nicht mehr nur „nett“, sondern erstmals überdeutlich im eigenständigen, im fürchterlichen Täterinnen-Krieg. Und kannst ihn dann aber auch nach innen nehmen: annehmen als deinen Faschismus, aber erst dahinter auch als deine Suche nach Liebe. Es geht um einen Prozess, es sind Schritte auf dem Weg zu dir selbst.

Gestern rief mich ein Freund an, der hier vor ein paar Monaten unter uns nur einen #Scherbenhaufen hinterließ. Zuvor hatte er sich scheiden lassen, seine Mutter verteufelt, seinen Bruder ausgeknockt. Es folgte, angefeuert von uns, eine totale #Dekonstruktion seines alten, toten Lebens, während er diverse #Gurus aufsuchte und Drogen probierte. Dann ließ er seinen Job sausen, entmietete sich aus dem Haus am See, verkaufte Sportwagen und Motorbike, geriet in die Schuldenfalle. Plötzlich ward er nicht mehr gesehen, war bei früheren Freunden in NRW gelandet. Dort flog er raus, bei einem nach dem anderen. Er musste diese #Höllenfahrt durch seinen eigenen #Faschismus, nicht den der anderen, durch Gewalt und Krieg erstmal draußen erleben, musste die Trümmer dann an sich selbst erfahren, um sich nicht mehr als ein Toter, sondern als kriegerischer Täter für einen Neuanfang zu finden. Vielleicht war unser Harems- oder Kommune-Experiment, das er ein paar Jahre lang ja neben sich hat laufen lassen, letztlich das Licht, das er in seiner eigenen Kriegerei unbedingt brauchte, um wieder rauszufinden. Der heutige Stand seiner Dinge: Er hat die Auseinandersetzung mit Mutter und Bruder begonnen, bekommt Harz IV und bezog ein Apartment für 400 Euro warm. Wenn er auf dem Balkon sitzt, sagt er, der sich selbst ein Muttersöhnchen nannte, sei es endlich still.

Seine Höllenfahrt zu sich selbst vor Augen, muss ich an meine denken. Widerstände noch immer, sie ist noch nicht vorbei. Aber ich bin in diesem Fight nicht allein. Er wurde von Anfang an auch von den Frauen um mich und vor allem von Rainer als nimmermüdem Berater mitgetragen. Diese Menschen waren mein Licht, wie wir vielleicht das Licht für diesen Freund waren.

Warum fällt mir Dankbarkeit so schwer? An dieser Stelle möchte ich über meinen Schatten springen: Danke euch allen. Auch diesem Freund in der Finsternis. Leute, es geht weiter und es ist gut, dass wir an diesem ganzen Gewaltscheiß in uns begonnen haben zu arbeiten. Dass besonders die Jungen dafür so ein wunderbares Tool wie das Internet nutzen können. Aus Haten wird irgendwann Liebe. Nur so wird die Welt besser: durch die Arbeit an unserem Privaten. Das ist neue Politik. Dadurch werden endlich auch Frauen zu Täterinnen. Der Feminismus reicht nicht, das habe ich erlebt. Weil er noch aus dem Eva-System stammt, dem alten Besitzdenken, unserer mächtigen Sklavinnen-Seite. Die will nach wie vor den Krieg draußen bei den Männern, ihrer Welt verorten, den eigenen weiter verstecken. Ich bin auch immer noch gern ohne Selbstverantwortung. Dazu mir und euch ein schönes, kleines Mantra, das Rainer gerade als Widmung in eines seiner Bücher schrieb: Heiter weiter.

Das Foto unten zeigt uns 1995 beim Dreh der Doku „Langhans, Teufel und die Frauen“ von links: Anna, Fritz Teufel, Rainer, Jutta und ich.
Die Doku ist auf YouTube zu sehen
https://www.youtube.com/watch?v=d_0-9FLMk2o

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