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Christa Ritter's Blog

8. Mai 2017
nach Christa Ritter
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#heiter weiter

Liebe Freunde, hinter den Kulissen, also unseren Fassaden, siehts schwierig aus. Geradezu faschistisch oder kriegerisch. Seit die #68erErleuchtung uns aus der Versorgung von oben/wir unten für ein Moment befreite. Denn nun gewinnen wir Verantwortung für uns selbst, jeder auf seinem Weg, auf seine Weise, weltweit (siehe #Trump) wie es auch in #soists von #Rainer beschrieben wird.

Die Folge seitdem: Private Kriege in den Herzen, in den vier Wänden, aber entsprechend ebenso draußen als #Shitstorms oder #FaschistenHate von uns #Liberalen, auch hier bei FB. Hässliche Übergänge der Gewalt in eine bessere, weil virtuellere Welt. Ich habe mit meinen Haremsfreundinnen und Rainer seit Jahrzehnten am Krieg von uns Frauen gewerkelt. Wir sind dabei den schwierigen Weg gegangen, in uns #Eifersucht, Besitzwahn, Geltungsbedürfnis, Rivalinnen-Schwachsinn zu weiblicher Täterschaft umzuwidmen, um diese tollen Energien, die dort bisher gespeichert sind, freizusetzen. Für unser persönliches Wachstum als spirituelle oder geistige, selbstbewusste Frauen. Schon an der Zeitbeschreibung „Jahrzehnte“ seht ihr: Es dauert. Es ist mühsam und du willst sehr häufig sogar die eigenen, so wertvollen Bemühungen am liebsten löschen. Es ist wahr: Diese Hölle ist nichts für Feiglinge. Aber sie zu erleben, sie sich geradezu vor Augen zu halten, sie also zu durchleiden, ist not-wendig. Ich würde sagen: Erst dadurch erlebst du dich ja als Frau nicht mehr nur „nett“, sondern erstmals überdeutlich im eigenständigen, im fürchterlichen Täterinnen-Krieg. Und kannst ihn dann aber auch nach innen nehmen: annehmen als deinen Faschismus, aber erst dahinter auch als deine Suche nach Liebe. Es geht um einen Prozess, es sind Schritte auf dem Weg zu dir selbst.

Gestern rief mich ein Freund an, der hier vor ein paar Monaten unter uns nur einen #Scherbenhaufen hinterließ. Zuvor hatte er sich scheiden lassen, seine Mutter verteufelt, seinen Bruder ausgeknockt. Es folgte, angefeuert von uns, eine totale #Dekonstruktion seines alten, toten Lebens, während er diverse #Gurus aufsuchte und Drogen probierte. Dann ließ er seinen Job sausen, entmietete sich aus dem Haus am See, verkaufte Sportwagen und Motorbike, geriet in die Schuldenfalle. Plötzlich ward er nicht mehr gesehen, war bei früheren Freunden in NRW gelandet. Dort flog er raus, bei einem nach dem anderen. Er musste diese #Höllenfahrt durch seinen eigenen #Faschismus, nicht den der anderen, durch Gewalt und Krieg erstmal draußen erleben, musste die Trümmer dann an sich selbst erfahren, um sich nicht mehr als ein Toter, sondern als kriegerischer Täter für einen Neuanfang zu finden. Vielleicht war unser Harems- oder Kommune-Experiment, das er ein paar Jahre lang ja neben sich hat laufen lassen, letztlich das Licht, das er in seiner eigenen Kriegerei unbedingt brauchte, um wieder rauszufinden. Der heutige Stand seiner Dinge: Er hat die Auseinandersetzung mit Mutter und Bruder begonnen, bekommt Harz IV und bezog ein Apartment für 400 Euro warm. Wenn er auf dem Balkon sitzt, sagt er, der sich selbst ein Muttersöhnchen nannte, sei es endlich still.

Seine Höllenfahrt zu sich selbst vor Augen, muss ich an meine denken. Widerstände noch immer, sie ist noch nicht vorbei. Aber ich bin in diesem Fight nicht allein. Er wurde von Anfang an auch von den Frauen um mich und vor allem von Rainer als nimmermüdem Berater mitgetragen. Diese Menschen waren mein Licht, wie wir vielleicht das Licht für diesen Freund waren.

Warum fällt mir Dankbarkeit so schwer? An dieser Stelle möchte ich über meinen Schatten springen: Danke euch allen. Auch diesem Freund in der Finsternis. Leute, es geht weiter und es ist gut, dass wir an diesem ganzen Gewaltscheiß in uns begonnen haben zu arbeiten. Dass besonders die Jungen dafür so ein wunderbares Tool wie das Internet nutzen können. Aus Haten wird irgendwann Liebe. Nur so wird die Welt besser: durch die Arbeit an unserem Privaten. Das ist neue Politik. Dadurch werden endlich auch Frauen zu Täterinnen. Der Feminismus reicht nicht, das habe ich erlebt. Weil er noch aus dem Eva-System stammt, dem alten Besitzdenken, unserer mächtigen Sklavinnen-Seite. Die will nach wie vor den Krieg draußen bei den Männern, ihrer Welt verorten, den eigenen weiter verstecken. Ich bin auch immer noch gern ohne Selbstverantwortung. Dazu mir und euch ein schönes, kleines Mantra, das Rainer gerade als Widmung in eines seiner Bücher schrieb: Heiter weiter.

Das Foto unten zeigt uns 1995 beim Dreh der Doku „Langhans, Teufel und die Frauen“ von links: Anna, Fritz Teufel, Rainer, Jutta und ich.
Die Doku ist auf YouTube zu sehen
https://www.youtube.com/watch?v=d_0-9FLMk2o

3. Mai 2017
nach Christa Ritter
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Frauen, entsichert euch!

Gestern zu Fünft auf der Terrasse vom veganen #MaxPett. Endlich scheint in #München wieder die Sonne, die Kastanie über uns hat endlich ihre Blätter entfaltet. Der nette Ober wirbelt mit Hüftschwung knusprige Aubergine-Röllchen, Spargel mit Rosmarin-Kartoffeln, Blüten bestreutes Kichererbsen-Omelett mit Spinat auf den Tisch. Sieht wunderschön aus, schmeckt auch alles sehr gut. Plötzlich schießt die #Frauenfrage mitten in mein Wohlgefühl. Wo sind sie, die #Frauen? Die Blicke der Männer fragen uns, Brigitte und mich. Hoppla. Schweigen. Rainer (immer schon, selbst mit #Uschi) on his own single-man’s way, Micha (zwei Ex-Frauen, zwei Kinder) und Rupert (eine Ex, zwei Kinder) fixieren uns gespannt. Dann explodiert von jedem dieselbe Antwort: Sicherheit, die Frauen wollen Sicherheit!

Mehr ist nicht? Wut schießt mir in die Birne. Mehr haben die Herrschaften an uns Frauen nicht bemerkt? Erstaunlich: von uns beiden Frauen nur milder Protest, Hin und Her, kläglich. Ertappt? Ihr jammert doch immer, immer noch, ergänzt Rainer. Alles sei so schwer, nichts geht weiter, hättet ihr doch…

Kleiner Rückblick gefällig? Auch Brigitte und ich starteten mit #68erAnspruch: Kündigung der Verabredung von Adam und Eva. Bloß nicht wie die Mutter werden: Statt #Ehe in die Welt starten, Kinder nerven dabei – also Kindermorde (#Abtreibung), Geliebten-Stampf, Kriege rechts und links in Karriereversuchen. Eher halbherzig, fand ich. Wie wir damals alle, letztlich. Scheiß-Erfolgsgetue. Plötzlich hing ich in einer Depression fest. Wenig ging mehr.

Statt Selbstmord die Rettung ins Nowhereland: Fünf Frauen und ein Ex. Ein Ex-Kommunarde! Der schickte uns endlich die wahre #Vision: Auch eine Frau kann Geist. Aufstieg als innerer Weg: Gleiche Augenhöhe! Seit damals nun 40 Jahre lang #Harems-Labor: tausend Gänge rauf, fantastisch-ätzende (beides bis zur totalen Verwirrung!) Sinnsuche. Mutti-Resteprogramm löschen, Papi‘s auch, dieser ganze Schwachsinn einer lieblos materialistischen #Matrix. Sicherheit? Worin hatte ich in diesen vielen Jahren je Sicherheit? Wir haben uns fast täglich die Faust gegeben!

Und doch stimmt das, was die Männer eben sagten. Irgendwie. Vor 50 Jahren hab ich mich vielleicht wirklich als Dornröschen selbst geküsst. Glaubte ich: Den Prinzen kannst du mir mal. Diese verdammte Sicherheit, dieses Spießerleben. Aber als der 68er Stern und eben dann auch die Supernova einer weiblichen Kommune, dem Harem nicht mehr anfangs-ekstatisch blink-blink machten, weil ich mich an Rainer festhalten konnte, fiel in immer kürzeren Slots ein Schatten auf mich, auf alles, vor allem auf diesen autoritären Kommunarden. Aber auch täglich ätzend auf die Frauen um mich. Der Krieg ist draußen, tobte es in mir: Hexen, Schlangen, dieser Arsch von Prinz, mein Unterdrücker. Hallte mich doch schon die Frauenbewegung gelehrt. Der Mann ist an allem schuld, jeder Prinz küsst nur als Unterdrücker, will mich in der Dornenhecke, unter der Glasdecke, festhalten! Deshalb hatte ja John auch Mitleid gezeigt: A Woman is the Nigger of the World, bestätigte er.

Aber der Kommunarde, auch das ein Fakt, hat mich immer wieder ermutigt: Du hast keine Chance, aber nutze sie. Was auch sonst? Aufwärts, nach vorn. #Voranscheitern als ständige Lebendigseinerfindung. Was für ein Wort! Mühsame Selbsterforschung. Nichts da, du Opfer, er Täter, hier Gummiwand, dort Glasdecke. Der 68er Sturm unter uns, in mir, dieser frechsten aller Erschütterungen wurde immer heftiger, bis ich mir eingestehen musste, aber nicht wollte: Ich weiß nichts über mich. Wenn ich die Eva nicht sein wollte, wer war ich dann?

Grab me by the #Pussy. Das hat sich bei den Frauen nicht geändert? Auch bei dir und Brigitte nicht, dringt schon wieder in mein Ohr. Haben uns das die drei Männer soeben sagen wollen? Dass ich immer noch so ne Pussy-Tussi mit Versorgungs-Anspruch bin? Wie kommen die darauf? Sie, die… und da strauchle ich schon, weiß nicht so richtig weiter im Text. Das Private ist politisch! Das behaupte ich doch. Auch hier. SEIN Privates, nicht meins?

Später geht die Aufregung weiter. Jetzt als Streit zwischen Brigitte und mir. Sie enttäuscht, ich verletzt. Du ja auch nicht. Als Rainer dabei einfach nur lächelt, wird’s um so lauter. Ist ja alles gut, sagt plötzlich eine Stimme in mir, eigentlich flüstert sie nur. Weitermachen, beruhigt sie. Ist doch gut, dass du losgelaufen bist. Raus aus dem Gefängnis. Immerhin steht die Tür auf, ein Zeh ist auch schon draußen. Dauert halt, tut weh. Gibt nichts Besseres! Hallo? Ich wollte doch eine Königin werden, kopfschmerze ich. Dann muss ich lachen. Das Leben ist schön? Sicherheiten….

8. August 2015
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Wir schreiben uns aus Neuland

Liebe Sophie,

danke dir für deine Mail. Was wohl so unverständlich bleibt: Dieser Krieg gegen die Gewohnheiten. Denn so ist es wohl immer. Sobald du diese Identifikation mit Sex, Besitz des Mannes, dieses materiellen Lebens in allen Facetten, Erfolgsansprüche kündigst, rast die Sau in dir los. Du fällst aus dieser Tünche von Erwachsenenleben in die Teile, wo die ursprünglichsten Verletzungen vernarbt sind oder sogar noch bluten. Ich will geliebt werden, bedingungslos, von allen! So schreit es in dir. Und dieses Geschrei hört erstmal nicht auf. Ich meine allerdings, es ist inzwischen bei jeder von uns hier etwas leiser geworden. Vielleicht weil eine Art innerer Beobachter auftauchte, auch nur sporadisch, sehr langsam. Der weiß offenbar, dass es in diesem Körper keine Liebe gibt, immer nur Krieg. Ein Weg könnte begonnen haben, der aus der Körper-Identität heraus führt…
Wo ich da stehe, weiß ich nicht so genau. Auf jeden Fall: Erst ganz am Anfang.

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Ansonsten: einen schönen Sommer wünsche ich dir! Hier hat er ja schon längst begonnen. Was bedeutet, dass ich meine Tage sehr oft an einem herrlichen See verbringe.
Christa

Liebe Christa,

deine Worte haben mich stark berührt, weil ich an einem ziemlich ähnlichen Meilenstein stehe- und ich deshalb gerne schaue, wie gebären sich andere neu und kann ich etwas abgucken und lernen.
Deine Worte stolpern und turnen in mir rum und ich sortiere aus und lasse zu und kann letztendlich nur zustimmend nicken.
Auf dem „ich will geliebt werden“ kaue ich rum. Natürlich kenne ich das als Aufschrei in Richtung meiner Mutter, aber ich weiß gar nicht, wie es sich an fühlt, wenn man das bekommt. Also ein Phantasiegebilde, das mich bisher ferngesteuert hat.

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Die Auflösung der Körper-(=Ich?)-Identität, die du benennst, wirft auch Fragen auf. Nachdem meine Sucht, mich möglichst attraktiv zu präsentieren, allmählich nachlässt und mein Selbstwertgefühl sich dafür bedankt, habe ich einen sanfteren Bezug zu meinem Körper und spreche mit ihm. Ich frage ihn zu allem Möglichen und bin noch dabei, Reaktionsfeinheiten mitzubekommen und lesen zu können.
Insofern ziehe ich meine Interaktionen vom Außen etwas mehr ab (mit gravierenden Rückfällen) und verlagere sie in mich. Mein Körper wird eher ein Haus für mich, die Heimatlose und es geht drum, ob ich andere überhaupt in den Garten oder Flur lasse. Insofern interessiert mich, was du mit dem Krieg im Körper meinst. Vielleicht magst du mir dazu noch was erzählen.

Danke für deine Anregungen.
Liebe Grüße
Sophie

Liebe Sophie,

erstmal herzlichen Dank für deine Zeilen. Mir fällt es sehr schwer, darauf zu antworten. Einmal schwanke ich hin und her, dann erfassen meine Worte nicht genügend meine Gedanken, eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich wirklich stehe.

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Gestern: Ein langer, sehr heißer Tag am Walchensee. Jutta’s Kinder mit ihren Kindern, die ganze neue Family, sogar Uschi Obermaier und Umfeld. Heute ist dafür mein „Verdauungstag“. Schwierig. Daran sehe ich vermutlich auch das, wonach du fragst: Körperidentität. Bin ich wirklich diese geltungs- und liebessüchtige Person, die zwischen diesen Menschen irgendwelche Geräusche fabrizierte? Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Liebesschmerzen weniger werden, wenn ich loslasse von diesem Trumm und es schaffe, etwas mehr in den Geist zu gehen. Eigentlich eine Meditations-Übung. Alles Leiden macht dieser Körper. Also: Üben, üben, üben.

Müde,
Christa

26. Juli 2015
nach Christa Ritter
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Summertime and the living is easy

Mal wieder aus dem Netz auftauchen ist fast schon was Besonderes: Rainer’s 75. Geburtstag, verspätet im realen Leben als Sommergespräch, one month gone. Vier Wochen nach seinem Pressetrubel: Eine schöne Gelegenheit, den ein oder anderen Friend/Follower Auge in Auge als Bodytalk zu erproben, auch alte und neue Gefährten einzuladen, die etwas mehr suchen als das einfach Verfügbare. Weiß ich überhaupt, wer das sein könnte? Aber schließlich klappte alles: ein weicher, warmer Abend für Unabsehbares unter diesem und jener, alt und jung.

die Mohr-Villa

die Mohr-Villa

Der Gewölberaum der Mohr-Villa in München-Freimann, davor eine große Wiese unter riesigen, alten Bäumen. Brigitte, Gisela und ich bauen auf: vielerlei Kerzen, Stühle holen, zwei Buffettische aus dem Lager, Wasser kalt stellen, Räucherstäbchen. Ja, ihr lächelt: Räucherstäbchen. Halten sogar die Mücken fern.

Barbara steht unschlüssig als erste vor der Einfahrt: Sie ist aus Berlin gekommen. Und dann versammeln sich immer mehr, die Schüsseln und Teller mit Vegetarischem in der Hand. Als Improvisation eines Buffets der leichten Genießer. Wir entscheiden uns für eine Runde auf der Wiese. 25 oder 30 Menschen betrachten sich zwischen Neugier, scheuem Interesse und Abwarten. Rainer schlägt das Thema ho’oponopono vor, das schon bei seinem 70. Geburtstag seine Wirkung entfaltete. Andererseits wollten sich die Frauen thematisieren, wendet er ein, dieses von ihnen empfundene Ungleichgewicht zur Sprache bringen. Rainer geht’s mit unserem gemeinsamen Experiment eines anspruchsvolleren Lebens immer besser, sagt er, uns Frauen schlechter, behaupten wir. Sind wir blind oder was ist los? Denn ich schwanke noch immer zwischen Anklage, Zweifeln und (eher seltener) Dankbarkeit. Jammerfrauen, wenig Selbstwahrnehmung, eigentlich ätzend, aber als Übergang vielleicht Not-wendig. Leider ist Jutta, die lautstark Expressive, hier nicht unter uns, weil der Krebs sie nieder drückt. Theresa (25) neben mir (72) flüstert zum widersprüchlichen Selbstblick : Männer reden sich alles schön, Frauen schlecht. Könnte was dran sein. Ach was, wir sind doch längst weiter als bei der Gender-Frage, dringt von links in mein Ohr. Einer der hier Versammelten mailt am nächsten Tag: Ihr Frauen wirkt auf mich bei allen Problemen so positiv, sympathisch und stark, dass meine eigenen Eindrücke in einem gewissen Widerspruch zu der Schilderung Eures empfundenen Unglücks stehen. Oder ich habe da etwas falsch verstanden? Nein, hast du nicht. Möglicherweise.

Maria Imania

Ich erzähl euch also mal die Geschichte der hawaiianischen Schamanen-Therapie, beginnt Rainer. Die Station im Gefängnis, wo die geisteskranken Kriminellen untergebracht waren, war als gefährlich verschrien. Die zuständigen Psychologen wechselten nahezu monatlich. Das Pflegepersonal meldete sich oft krank oder kündigte schlichtweg. Die Angestellten gingen mit dem Rücken zur Wand durch die Station, weil sie fürchteten, von den Patienten angegriffen zu werden. Es war kein angenehmer Ort, um dort zu leben, zu arbeiten oder ihn nur zu besuchen. Der neue Therapeut hatte vereinbart, die Akten der Insassen nur in seinem Büro zu studieren. Er hat also nie einen der Patienten persönlich empfangen.

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Nach einigen Monaten veränderte sich alles. Erste bisher fixierte Patienten durften sich frei bewegen. Andere, die zuvor starke Medikamente einnahmen, konnten sie absetzen. Und diejenigen, für die es nie eine Chance gab, jemals in die Freiheit zurückzukehren, wurden sogar entlassen. Schließlich ging selbst die ganze Belegschaft gern zur Arbeit. Das Krankfeiern und der häufige Stellenwechsel hörten auf. Plötzlich war niemand mehr da, keine verrückten Kriminelle, keine Therapeuten, die Station musste schließen. Was war passiert? Was hatte der Therapeut allein in seinem Kämmerchen getan?

Dieser Mann wusste offenbar, dass äußere Veränderungen nichts bewirken, dass es nur um die eigene innere Veränderung geht: Die einzig mögliche Revolution sei der Revolutionär selbst. So hatte der Therapeut nur an sich selbst gearbeitet: Indem er für sein Leben die vollständige Verantwortung übernahm, für alles, was er tat, aber vor allem für das, was um ihn herum passierte. Er hatte erkannt: Die ganze Welt ist im wahrsten Sinn des Wortes meine eigene Schöpfung. Alles, was du siehst, hörst, schmeckst, berührst oder sonst irgendwie erfährst, musst du verantworten, weil es vor deinen Augen erscheint. Das bedeutet auch, dass der Kapitalismus mit seiner gnadenlosen Gier, jede Finanzkrise, der Klimawandel und jede Leiche der Boatsflüchtlinge, dass sogar alles, was du draußen erfährst oder nicht magst, deine Thematik ist, um dich zu heilen. Im Grunde besteht die Welt nur als deine Projektion des eigenen Inneren. Drei Mantren hatten dem Therapeuten im Kämmerlein zu seiner Heilung verholfen: „Es tut mir leid – in mir“, gefolgt von „Ich verzeihe dir – in mir“, schließlich „Ich liebe dich – in mir.“

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Unser Frauen-Thema war dank dieser wunderbaren Geschichte vom Tisch? Eigentlich auch das von Jutta: der Tod, dieses Sterben lernen? Ich bemerkte noch kurz etwas Kleinlautes zu meinem Opfer-Schwachsinn, Brigitte versuchte, ihre Erfahrungen mit mehr Selbstbewusstsein zu versehen, Rolf bestärkte sie mit einer merkwürdig schrägen Anmache, andere Frauen fragten zaghaft nach, das Jammer-Thema schien sich zu verflüchtigen. Die Geschichte vom Therapeuten, der sich erst selbst heilt, um alle Kranken abzuschaffen, hatte auch uns Frauen die Antwort geliefert: Solange ich an mich als Opfer glaube, werde ich eins sein. Immer wieder. Aber auch: Den Rainer, dem es immer besser geht, habe ich mir erschaffen. Es gilt, meine positive Projektion auf ihn zurückzunehmen. Dann geht es auch mir besser. Mein Leben und seinen langen Weg einer Sucherin wird mich so lange enttäuschen, wie ich mich ent-täusche. Das Gleiche dürfte für Jutta gelten: Nach dieser Heilsgeschichte ist der Krebs Jutta’s Projektion eines Meisters über ihr Leben. Er wird sie vom Körperlichen ent-täuschen. Verrückt!

Langsam löste diese Geschichte die Scheu aller hier in der Runde auf. Die Linden begannen stärker zu duften, so schien mir, das Chaos des Lebens fing an, sich zu entfalten, jeder berichtete von seiner Baustelle auf der ganz persönlichen Lebensleiter.

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Plastiktüten als mögliche Projektion von Schönheit und Erleuchtung, QBismus neben Sternen, die uns angeblich längst in geistige Höhen mitnehmen und sowieso seien wir längst vom Lichtstrahl erfasst und von solcher Liebe einer höheren Instanz gäbe es sowieso kein Entkommen. Wir sollten glücklich sein oder so ähnlich. Männliche Menschen spreizten ihr philosophisches Gefieder, die weiblichen ihr emotionales. Gemeinsame Tänze des Spirits, alle Versammelten häufig bemüht, so schien mir, vom anderen etwas zu verstehen und seine Erfahrung oder Sicht oder auch nur Angelesenes mit etwas Eigenem zu verbinden. Und vor allem: Das Nichtgesagte ganz nebenbei als großes Nichts wirken zu lassen. Jenseits aller Projektion, irgendwie. Rainer platzierte noch einen Hammer: Konsequent zur Geschichte aus dem Gefängnis nannte er Jutta’s Krebs ihren Freund, eine von ihrer Innenseite inszenierte Gnade sogar, etwas, das ihr längst hinüber leuchtet, wenn sie es denn zuließe, in diese unbekannte Schönheit des Geistes. Sagte ich doch: Krebs als Jutta’s Meister. Mein Herz fing an zu klopfen, der Hals verengte sich. Jutta! Dabei sah ich rüber zu Gisela, ihrer Zwillingsschwester. Versuchte sie als Einzige, in diesem Moment etwas Fassung zu wahren? Weil Rainer verrückt geworden ist, wir alle?

Dann wurde es langsam dunkel unter den Bäumen, feucht sogar, fast kühl. Ich musste an den Vater mit seinem Kind denken, der vor dem Erlkönig mit Krohn und Schweif flieht, bis er ihm Leids getan hat und das Kind in seinen Armen tot ist. Ein starkes, mystisches Bild meiner Kindheit. Aber da hatte schon jemand gesagt, wir sollten doch alle unsere Stühle nehmen und unter das Gewölbe wechseln, wo die Kerzen heimelig flackerten. Wenn nicht geredet wird, wird gegessen und getrunken. So war‘s dann auch. Eine Pause für Melone mit Chili, Hefe-Nußzopf, schwarzer Linsensalat, Pasta mit köstlichem Tomatensugo, türkische Teigröllchen mit Gemüsefüllung, Feta-Mango-Erdnuss-Creme, Rote-Beete-Salat mit gerösteten Sesam- und Sonnenblumenkernen und mehr. Alles unaufdringlich, zum Kosten, nicht zum Sattessen. Ach, Babette, die ihren Sinn für die romantische Liebe in zweisamer Verschmelzung retten wollte, hatte ihren Hund mitgebracht, eine größere Rasse. Der spazierte manchmal still durch unsere Mitte, nur vom Kerzenschein erleuchtet. Da waren bereits immer noch nachdenklich gehaltene Widersprüche aufgekommen: Bettina plädierte für Atemübungen, die das Sterben erleichtern könnten, weil sie in ein höheres Bewusstsein führten. Geht nicht, noch zu körperlich, sagt Rainer. Norbert antwortet: Du scheinst den Körper nicht besonders zu lieben? Rainer (ich meine, hinter seiner Brillen ein Aufblitzen zu bemerken): Seh ich so aus? Gute Frage an einen, der in seinem Flatterweiß eher leicht und transparent wirken kann. Doch, es gab auch ein paar Raucher, die immer mal wieder auf den Hof verschwanden. Wissen wir ja: Das mit dem Geist ist eine schwierige Übung, die wohl schwierigste.

Jutta, du hast jetzt den letzten Druck als Chance: ho’oponopono. Als könnte man schließlich die eigene Körperidentität mit diesen hawaiianischen Mantren wegschmelzen und in den großen Geist aufgehen. Lerne zu sterben, um wirklich zu leben, sagt dazu ein indischer Meister. Eine schwierige Übung: Besonders für uns Westler, sagte noch jemand. Yes, you can, würde sicher trotzdem der Therapeut antworten. Gegen ein Uhr war ich zuhause.

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13. Juli 2015
nach Christa Ritter
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STYX – No. 11 meine Landing Page

Stefan saved my STYX-reportage. Er hat mit mir diese Website oder Landing Page für mein Buch gebaut. Es hat nicht nur Spaß gemacht, sondern sieht auch noch schön aus. Finde ich. Da gibts zwei erste Buch-Besprechungen (das Feuilleton ignoriert bisher die E-Books) und erste Kommentare und sogar auch eine Leseprobe. Wer noch nicht so richtig weiß, ob er „STYX die Reise beginnt“ downloaden soll, kann sich hier ein wenig einlesen.

http://merah.de/styx-ebook/

 

Frauenpower ibei der Kumbh Mela in Indien

Frauenpower ibei der Kumbh Mela in Indien

18. Juni 2015
nach Christa Ritter
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Rainer wird 75

Hier das Geburtstags-Ständchen der SZ vom 16. Juni (weils so gut gelungen ist, poste ich es hier einfach mal):

Provokateur, Lachnummer und eigentlich, auf seine Art, ein Typ wie Nitroglyzerin. Der Schwabinger Revolutionär Rainer Langhans wird an diesem Freitag 75.

Von Hilmar Klute

Rainer Langhans fährt auf dem Rad durch die mit Klinikhäusern vollgestellte Pettenkoferstraße in München – seine Garderobe: weiße Hose, weiße Jacke, weißes Hemd, weiße Schuhe und dazu der mit diesem Lockenwahnsinn ausgestattete Kopf, die halbrunde Brille, der zarte weiße Bart – so stellen sich vegane Christen den lieben Gott vor. Der einzigartige Rainer-Langhans-Look, nein, nicht sofort hingehen und die Hand schütteln. Erst mal zuschauen, wie der Mann sein Ziel nimmt, das Fahrrad sorgsam abschließt und die Plastiktüte mit den Biofrüchten aus dem Gepäckträgerkorb holt, bevor er ins Café Max Pett geht. Weiterlesen →

15. Juni 2015
nach Christa Ritter
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STYX No. 10 – eine Stufe weiter

B. Kengne „Deva“ schreibt:

Diese scheinbar sehr persönliche Reise erweist sich als eine Reise, die wir alle machen sollten…Es geht um die elementaren Dinge, die unser Leben ausmachen.
Esoterisch…vielleicht…doch auf jeden Fall eine Stufe weiter in unser Unterbewusstsein.

In diesem Dorf riss unser Keilriemen

In diesem Dorf riss unser Keilriemen

Gleichzeitig sehr menschliche Beziehungsprobleme, die man diesen Frauen gar nicht zutraut und die uns zeigen, dass wir doch alle mit den gleichen Problemen kämpfen.

27. Mai 2015
nach Christa Ritter
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STYX No. 9 – Der mutige Weg

Sybille schreibt zu meinem E-Book: Bin jetzt bei ca. der Hälfte angekommen. Ihren Reisebericht erlebe ich als erfrischend-ich liebe Indien. Und Sie schreiben so schön lebendig.

Kali Durga ist Schöpferin und Vernichterin

Kali Durga ist Schöpferin und Vernichterin

Die Auseinandersetzungen auf der Beziehungsebene habe ich erst gelesen, überspringe sie jetzt meist oder lese quer, da mir als Therapeutin solche Streits nicht neu sind. Na ja, wir sind alle bei unseren Auseinandersetzungen nicht so kreativ, weil mit unseren alten Wunden und Begrenzungen konfrontiert. Aber ich schätze Ihre Ehrlichkeit, Offenheit, auch was die Schattenseiten angeht! Und die Bereitschaft, Pionier zu sein darin, sowie auch mit neuen Lebens-Modellen  zu experimentieren und damit „öffentlich“ zu werden. Das finde ich sehr mutig!

Liebe Grüße und alles Gute auf Ihrem mutigen Weg!

Jutta, Rainer und Brigitte beim Frühstück in Varkala

Jutta, Rainer und Brigitte beim Frühstück in Varkala

Vita hat auf FB geschrieben:

An dieser Stelle, mit der schrecklichen Giftigkeit des hinreißenden Goldregens, muß ich gerade mal den Werbeblock einschalten, für Christa Ritters tolles Buch „Styx“, das ich mit Lust und Genuß (und auch mit Verblüffung über und Neugier auf die inneren Mechanismen des berüchtigten Harems…) gelesen habe.
Also, Leute! ‚Lesebefehl!
So faszinierende Reisebücher gibt es selten.
(Und Gruß an den one and only Alexander Wallasch, wenn das mal jemand weitersagen möchte.)
http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/9995-rezension-von-christa-ritters-e-book-styx“

Katrin Nord schreibt auf FB:

Und ich überlege noch rum, wie ich mein Leseerlebnis gut in Worte verpacken kann für eine amazon-Kritik. Ich lese viel und intensiv, aber nie zuvor hat ein Buch so intensive Nachtträume bei mir ausgelöst wie Styx. Beim Lesen des Buches habe ich meine eigene Welt anders erlebt (wach) und anders geträumt (im Schlaf).

22. Mai 2015
nach Christa Ritter
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STYX No. 8 – Schön, gewaltig, wunderbar

…. einfach ein Muss Mann/Frau haben
Kommentar zu STYX von Stefan B. (auf Amazon)
Wirklichkeit einzigartig dargestellt mit tollen Aufnahmen.
Momente, die fesseln aber auch nachdenklich stimmen.
Man ist förmlich mit dabei.
Jutta und Rainer am Ganges in Rishikesh

Jutta und Rainer am Ganges in Rishikesh

Kann sagen, die Reise beginnt normal bei der Geburt und dieses Werk nimmt einen mit auf einen Teil einer sehr interressanten Reise von ganz wunderbaren Menschen.

Ich liebe dieses Erschaffen von konservierten Momenten.

Es lohnt sich absolut die Bilder Edition zu wählen.

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