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Christa Ritter's Blog

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Autisten aller Länder

Gestern Geburtstagsparty bei einem Freund. #Asperger oder #Autisten, wohin ich schaue. Wie ich. Durch das Buch #soists von Rainer angestoßen, eine relativ neue Erkenntnis meines Wesens, die plötzlich vielen Spuren hinter mir eine genauere Färbung gibt. Autistin? Ja, ist vielleicht etwas plakativ. Ich meine dieses von Anfang an Unfähige, dieses Nichtkönnen, mich mit der alten, für mich letztlich immer eigenartig unzumutbaren Welt zu verbinden. In #Beziehungen wie in meinem Karriere-Gewusel. Immer etwas Schräges, Unglückliches. Nicht, weil ich eine #Frau bin. Könnte natürlich auch ein Grund sein oder ist er das sogar? Nö, da ist mehr: Ich sah die Menschen von klein auf immer als Lügner. Später verdeutlichte sich meine Macke: Ich wurde einerseits immer spröder, andererseits gab es bei mir seit 68 auch ein oft peinliches Talent zur #Extroversion. Grenzenlos, himmelhoch jauchzend. Du bist ziemlich dominant, sagt mir noch heute eine Freundin. Und meint mich, wenn die beiden Seiten nicht zusammen gehen und daraus dieser überdrehte Schwang entsteht. Überwältigung vielleicht. Zurück zum Autismus, den ich inzwischen bei vielen Jungen sehe und schon bei den #Piraten, ja, allen #Nerds entdeckte. Heißt: Hier heimatlos, woanders richtiger. Im Virtuelleren, glaube ich. Ich vermute, das war schon immer so, verstärkt dann durch meine 68er Erfahrung. Es gibt nämlich so viel mehr, besseres, wie eben immer, aber besonders damals gefühlt. Ist also irrational? So wie beim #Trump? Verzeiht. Diese kurze Frage streiche ich gleich wieder. Ist gedanklich-gefühlt noch unausgegoren. Ich konnte und wollte wohl auch mich HIER nicht so einsetzen, dass es ein Gelingen in Normalität hätte werden können. Stattdessen Rückzug, Harem, auch verrückte Projekte, immer was erneut Scheiterndes. Ich konnte mich nicht greifen. Nicht im Körperlichen. Und jetzt? Wie lautet der Stand der Dinge einer irgendwie sich jung behauptenden #Alten? Mir scheint, dass wir alle ziemlich wackelig, aber doch gut auf dem Weg sind: Facebooker, Geburtstagsfreunde, Hochzeiter auf einem alten Fischerboot. Ich finde: alle irgendwie freundliche #Aliens. Umso merkwürdiger diese #Wahlplakate

8. August 2017
von Christa Ritter
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Die Politik der Liebe

Heute aufgestöbert: Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Hardt schrieb über 68 und den Summer of Love in ‚On the Politics of Love‘ (Die Politik der Liebe). Er erklärt darin, dass wir dank der damaligen Erfahrung schon lange einer erweiterten Vision der Liebe folgen. Wir lassen ihre herkömmliche Art hinter uns und gehen ständig weiter. Wir lieben nicht nur unsere Familie und unsere Partner, sondern immer mehr auch den Anderen, den Andersartigen. So würde Liebe langfristig zu einer Kraft, die die Gesellschaft zum Besseren verändert. Das Tool dazu ist das Internet.

21. Juli 2017
von Christa Ritter
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Das Private ist politisch

Das Private ist politisch? Was heißt das denn eigentlich? Dich selbst verändern, verbessern und dazu das Tool Internet nutzen, möchte ich diesen Satz verstehen. Kann man auch anders ausdrücken? Na klar, wie Rainer Langhans in #soists. Der Satz stammt aus der Kommune I, damals 1967, schreibt Rainer. Meint: Revolutionierung des Alltags. Also so sein, wie du eigentlich bist. Ein langes WERDEN wie du bist. Heißt letztlich: Keine Privatsphäre, also nichts vom Öffentlichen abgetrenntes Privates, schön im Häusle verborgen. Also alles ins Netz! Meint: Allgemeine Zärtlichkeit als Runterfahren von Konsum und Sex, also kein übliches Besitzgetue, an nichts und niemandem. Oh nein! Geht das? Love and Peace haben wir als Junge das weltweit auch genannt. Wir wissen, zumindest ahnen heute: Der alte Krieg der Körper ist uncool (war #G20 in HH auch nicht).

Dieser Satz weist auf den Ausstieg aus unserem Scheißleben, den wir schon üben: Auf Twitter und Facebook alles teilen, alles mitteilen. Befreit alle Daten aus ihren Gefängnissen, so Rainer. Totaler Kontrollverlust, kein geistiges Eigentum, Communities und 1,9 Milliarden Freunde. Das verändere die Welt tiefgrundmäßig. Sie wird durch die neuen Medien jeden Tag ein wenig besser, geistiger. Cooler. Noosphäre. Durch jeden von uns! Gute Nachricht in all dieser derzeitigen Unübersichtlichkeit. Wir sind laut diesem Vorreiter, also vielleicht doch längst ein Schritt raus aus dem Turbo-Waren-Exzess, der Gewalt, dem schlechten Leben.Wenn wir es denn sehen können.

16. Juli 2017
von Christa Ritter
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Welcome to Hell!

Aus Hamburg Bilder brennender Autos, zerschlagene Scheiben, schwarz-Vermummte. Nee, Gewalt, die geht gar nicht, kommentiere ich und komme mir gleich wie eine Alte vor. Ist ja wie damals, als hätten wir seitdem nichts gelernt. Ein Freund, scharf: Na, was denn? Was haben wir seitdem gelernt? Dass die Linken wie Neoliberale sind und auch nichts ändern? Da haben diese Leute doch recht! Bei mir kurzes Luftschnappen: Aber doch nicht wieder mit dieser Gewalt! Ein kurzer Flashback: Damals gings auch gegen das Scheißsystem, war ich Sympathisant. Macht kaputt, was euch kaputt macht. Die Krake Kapitalismus. Und seiner Gewalt, die mir als Antwort einer tiefen Verzweiflung gerechtfertigt schien. Damals. Tatsächlich ist die Welt nicht besser geworden, eher schlechter. Es ertrinken Hunderte im Mittelmeer, verenden in Flüchtlingscamps, brechen Staaten auseinander. Und wir sind Exportmeister, auch dank unserer Waffengeschäfte. Welcome to hell! Da soll man nicht draufhauen wollen?

Es muss anders gehen. Wer sagt das nicht? In unserem Harem-Labor haben wir vor Jahrzehnten den Besitzwahn in Angriff genommen. Auflösen: Jede Frau für sich. Uns schockierte bald, dass da ein schwerer Brocken zu bewältigen ist. Daher: Es dauert an. Frauen hängen wie blöd an der Mutter oder am Vater, jedenfalls am Materiellen. Wissen sie das? Auch ich bin noch immer nicht durch. Neid, Habgier, Eifersucht – alles schon erheblich weniger, bilde ich mir ein. Jetzt könnte ich mich von zwei auf ein Zimmer verkleinern. Geht nicht. Noch nicht. Ist das zu fassen? Welcome to hell. Oder mit mir mal freundlich zu sein, mit dir. Wenigstens hier im Netz. In unserem Buch #soists sagt #RainerLanghans: Es gibt endlich einen Ausweg aus der Hölle des ewigen Krieges: das Internet. Wir benutzen es, kommunizieren, teilen mit der Community. Das ist schon Freundliches, auch der Shitstorm. Er gehört erstmal dazu. Den Keller aufräumen, lieben lernen. Lest mal im Buch, das könnte dem Bewusstsein helfen. Oder ist Rainer ein Träumer?

13. Juli 2017
von Christa Ritter
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Frauen anders in die Medien

Mehr #Frauen, vor allem ältere, auf die Kinoleinwand, überhaupt endlich auch Geschichten aus weiblicher Ermächtigung in die #Medien. So fordert eine Studie, die gerade in #Berlin vorgestellt wurde. Klingt gut. Aber: Noch gibt es in unserer #Gesellschaft die Frauen als selbstverantwortlich Handelnde nicht. Der Blick von uns Frauen gilt immer noch dem #Mann, selten uns selbst. Die neuen Geschichten unseres Wandels seit 68 bleiben bis heute verborgen im Privaten, vielleicht sogar noch für uns selbst häufig hinter Depressionen versteckt. Also gibt es davon auch keine Drehbücher, Romane oder Filme, entspricht selbst unsere #Körpersprache noch nicht den Erfahrungen weiblicher Authentizität auf dem Weg zu einer neuen Frau. Oder besser #postgender: einem neuen Menschen. Im derzeitigen Film und Fernsehen, so wohl die Kritik der Studie, sucht Jane immer noch ihren Tarzan,  der erfolgreicher, als sie es je könnte, von Liane zu Liane schwingt oder Jane stolpert als ewiges Opfer ihrer Verhältnisse, in ein Rattenrennen, das sie spätestens ab der Menopause ausspucken und zur Hexe machen wird. Aufgrund meiner Erfahrung, auch aufgrund der Studie, zeigt sich: Solche Geschichten aus dem weiblichen Schattendasein, die in diesen Tagen in den Medien noch immer erzählt werden, sind überholt: Wir langweilen uns.

In der vorigen Woche bat mich eine Gruppe von #Polyamoren darum, doch mal meine Geschichte zu erzählen. #Selbstermächtigung der Frau, so nannten sie das. Gibt es die schon? Auch ihr Privates ist politisch? Kann ich dazu etwas beitragen? Ich habs versucht, zaghaft, zu ausführlich, auch eitel und musste sehen, ich kann noch kaum über mich reden. Wer bin ich? Die Frage blieb ziemlich offen. Obwohl ich mit den anderen Frauen an #Langhans Seite schon seit 40 Jahren aus der alten Jane oder alten Eva ganz schön voran gescheitert bin (wie Langhans das in seinem Buch #soists nennt). Trotz des Wenigen, das ich nur zu sagen vermochte, war der Abend gut. Als ein kleiner Anfang erster öffentlicher Selbtermächtigung. Weitermachen, ermutige ich mich, auch hier mit euch.

So ist es auch ein gutes Zeichen, wenn diese Studie auf ein Dilemma hinweist: Wir Frauen sind mit den alten Geschichten nicht mehr zufrieden. Daher verlangen wir nach unseren neuen, die wir noch kaum erzählen können. Nicht von anderen, wir verlangen sie von uns.  Das freut mich: Ja, wir sind auf dem Weg. Kleiner Tipp: In den beiden letzten Wochen sah ich zwei Filme, die von Frauen etwas Utopisches zeigten: Lucy und Axolotl Overkill. Okay, beide Protagonisten darin sind jung. Die neue Ältere muss auf ihr Leinwanddebut wohl noch etwas warten…

4. Juli 2017
von Christa Ritter
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Trump als Teddy

Schaut ihr auch manchmal bei #Kulturzeit rein? Gestern kam #Pynchon vor, dessen erste Bücher (zB „V“) ich damals verschlungen habe. Durch sein 68 visionierte er darin, so lautete der Kommentar: Niedergang von Aufklärung und Vernunft. Finde, das stimmt. Seit damals übe ich/üben wir alle vielleicht nicht den Niedergang, aber die „Erweiterung“ dieser beiden Phasen. Aufklärung 2.0 wird das in #soists genannt. Oder vorwärtsscheitern. Was in #soists auch thematisiert wird: Wenn man weitergeht, also aus dem Bekannten raus, ist das immer erstmal irrational. Nur das Vertraute, das alte Leben erscheint rational. Sobald das Neue dann wieder eine Weile vertraut wird, erscheint auch dies uns rational, nicht mehr wie zuvor irrational. Phasen der Evolution.

#Loveoutloud. Auf der FB-Timeline. Da wird neben den ganzen Fights against #Trump endlich sogar dieser Mann auch mal umarmt. Wenn auch nur als Teddy. Ob die #Tweets mit den Fotos davon wirklich bei ihm ankommen?

 

8. Mai 2017
von Christa Ritter
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#heiter weiter

Liebe Freunde, hinter den Kulissen, also unseren Fassaden, siehts schwierig aus. Geradezu faschistisch oder kriegerisch. Seit die #68erErleuchtung uns aus der Versorgung von oben/wir unten für ein Moment befreite. Denn nun gewinnen wir Verantwortung für uns selbst, jeder auf seinem Weg, auf seine Weise, weltweit (siehe #Trump) wie es auch in #soists von #Rainer beschrieben wird.

Die Folge seitdem: Private Kriege in den Herzen, in den vier Wänden, aber entsprechend ebenso draußen als #Shitstorms oder #FaschistenHate von uns #Liberalen, auch hier bei FB. Hässliche Übergänge der Gewalt in eine bessere, weil virtuellere Welt. Ich habe mit meinen Haremsfreundinnen und Rainer seit Jahrzehnten am Krieg von uns Frauen gewerkelt. Wir sind dabei den schwierigen Weg gegangen, in uns #Eifersucht, Besitzwahn, Geltungsbedürfnis, Rivalinnen-Schwachsinn zu weiblicher Täterschaft umzuwidmen, um diese tollen Energien, die dort bisher gespeichert sind, freizusetzen. Für unser persönliches Wachstum als spirituelle oder geistige, selbstbewusste Frauen. Schon an der Zeitbeschreibung „Jahrzehnte“ seht ihr: Es dauert. Es ist mühsam und du willst sehr häufig sogar die eigenen, so wertvollen Bemühungen am liebsten löschen. Es ist wahr: Diese Hölle ist nichts für Feiglinge. Aber sie zu erleben, sie sich geradezu vor Augen zu halten, sie also zu durchleiden, ist not-wendig. Ich würde sagen: Erst dadurch erlebst du dich ja als Frau nicht mehr nur „nett“, sondern erstmals überdeutlich im eigenständigen, im fürchterlichen Täterinnen-Krieg. Und kannst ihn dann aber auch nach innen nehmen: annehmen als deinen Faschismus, aber erst dahinter auch als deine Suche nach Liebe. Es geht um einen Prozess, es sind Schritte auf dem Weg zu dir selbst.

Gestern rief mich ein Freund an, der hier vor ein paar Monaten unter uns nur einen #Scherbenhaufen hinterließ. Zuvor hatte er sich scheiden lassen, seine Mutter verteufelt, seinen Bruder ausgeknockt. Es folgte, angefeuert von uns, eine totale #Dekonstruktion seines alten, toten Lebens, während er diverse #Gurus aufsuchte und Drogen probierte. Dann ließ er seinen Job sausen, entmietete sich aus dem Haus am See, verkaufte Sportwagen und Motorbike, geriet in die Schuldenfalle. Plötzlich ward er nicht mehr gesehen, war bei früheren Freunden in NRW gelandet. Dort flog er raus, bei einem nach dem anderen. Er musste diese #Höllenfahrt durch seinen eigenen #Faschismus, nicht den der anderen, durch Gewalt und Krieg erstmal draußen erleben, musste die Trümmer dann an sich selbst erfahren, um sich nicht mehr als ein Toter, sondern als kriegerischer Täter für einen Neuanfang zu finden. Vielleicht war unser Harems- oder Kommune-Experiment, das er ein paar Jahre lang ja neben sich hat laufen lassen, letztlich das Licht, das er in seiner eigenen Kriegerei unbedingt brauchte, um wieder rauszufinden. Der heutige Stand seiner Dinge: Er hat die Auseinandersetzung mit Mutter und Bruder begonnen, bekommt Harz IV und bezog ein Apartment für 400 Euro warm. Wenn er auf dem Balkon sitzt, sagt er, der sich selbst ein Muttersöhnchen nannte, sei es endlich still.

Seine Höllenfahrt zu sich selbst vor Augen, muss ich an meine denken. Widerstände noch immer, sie ist noch nicht vorbei. Aber ich bin in diesem Fight nicht allein. Er wurde von Anfang an auch von den Frauen um mich und vor allem von Rainer als nimmermüdem Berater mitgetragen. Diese Menschen waren mein Licht, wie wir vielleicht das Licht für diesen Freund waren.

Warum fällt mir Dankbarkeit so schwer? An dieser Stelle möchte ich über meinen Schatten springen: Danke euch allen. Auch diesem Freund in der Finsternis. Leute, es geht weiter und es ist gut, dass wir an diesem ganzen Gewaltscheiß in uns begonnen haben zu arbeiten. Dass besonders die Jungen dafür so ein wunderbares Tool wie das Internet nutzen können. Aus Haten wird irgendwann Liebe. Nur so wird die Welt besser: durch die Arbeit an unserem Privaten. Das ist neue Politik. Dadurch werden endlich auch Frauen zu Täterinnen. Der Feminismus reicht nicht, das habe ich erlebt. Weil er noch aus dem Eva-System stammt, dem alten Besitzdenken, unserer mächtigen Sklavinnen-Seite. Die will nach wie vor den Krieg draußen bei den Männern, ihrer Welt verorten, den eigenen weiter verstecken. Ich bin auch immer noch gern ohne Selbstverantwortung. Dazu mir und euch ein schönes, kleines Mantra, das Rainer gerade als Widmung in eines seiner Bücher schrieb: Heiter weiter.

Das Foto unten zeigt uns 1995 beim Dreh der Doku „Langhans, Teufel und die Frauen“ von links: Anna, Fritz Teufel, Rainer, Jutta und ich.
Die Doku ist auf YouTube zu sehen
https://www.youtube.com/watch?v=d_0-9FLMk2o

3. Mai 2017
von Christa Ritter
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Frauen, entsichert euch!

Gestern zu Fünft auf der Terrasse vom veganen #MaxPett. Endlich scheint in #München wieder die Sonne, die Kastanie über uns hat endlich ihre Blätter entfaltet. Der nette Ober wirbelt mit Hüftschwung knusprige Aubergine-Röllchen, Spargel mit Rosmarin-Kartoffeln, Blüten bestreutes Kichererbsen-Omelett mit Spinat auf den Tisch. Sieht wunderschön aus, schmeckt auch alles sehr gut. Plötzlich schießt die #Frauenfrage mitten in mein Wohlgefühl. Wo sind sie, die #Frauen? Die Blicke der Männer fragen uns, Brigitte und mich. Hoppla. Schweigen. Rainer (immer schon, selbst mit #Uschi) on his own single-man’s way, Micha (zwei Ex-Frauen, zwei Kinder) und Rupert (eine Ex, zwei Kinder) fixieren uns gespannt. Dann explodiert von jedem dieselbe Antwort: Sicherheit, die Frauen wollen Sicherheit!

Mehr ist nicht? Wut schießt mir in die Birne. Mehr haben die Herrschaften an uns Frauen nicht bemerkt? Erstaunlich: von uns beiden Frauen nur milder Protest, Hin und Her, kläglich. Ertappt? Ihr jammert doch immer, immer noch, ergänzt Rainer. Alles sei so schwer, nichts geht weiter, hättet ihr doch…

Kleiner Rückblick gefällig? Auch Brigitte und ich starteten mit #68erAnspruch: Kündigung der Verabredung von Adam und Eva. Bloß nicht wie die Mutter werden: Statt #Ehe in die Welt starten, Kinder nerven dabei – also Kindermorde (#Abtreibung), Geliebten-Stampf, Kriege rechts und links in Karriereversuchen. Eher halbherzig, fand ich. Wie wir damals alle, letztlich. Scheiß-Erfolgsgetue. Plötzlich hing ich in einer Depression fest. Wenig ging mehr.

Statt Selbstmord die Rettung ins Nowhereland: Fünf Frauen und ein Ex. Ein Ex-Kommunarde! Der schickte uns endlich die wahre #Vision: Auch eine Frau kann Geist. Aufstieg als innerer Weg: Gleiche Augenhöhe! Seit damals nun 40 Jahre lang #Harems-Labor: tausend Gänge rauf, fantastisch-ätzende (beides bis zur totalen Verwirrung!) Sinnsuche. Mutti-Resteprogramm löschen, Papi‘s auch, dieser ganze Schwachsinn einer lieblos materialistischen #Matrix. Sicherheit? Worin hatte ich in diesen vielen Jahren je Sicherheit? Wir haben uns fast täglich die Faust gegeben!

Und doch stimmt das, was die Männer eben sagten. Irgendwie. Vor 50 Jahren hab ich mich vielleicht wirklich als Dornröschen selbst geküsst. Glaubte ich: Den Prinzen kannst du mir mal. Diese verdammte Sicherheit, dieses Spießerleben. Aber als der 68er Stern und eben dann auch die Supernova einer weiblichen Kommune, dem Harem nicht mehr anfangs-ekstatisch blink-blink machten, weil ich mich an Rainer festhalten konnte, fiel in immer kürzeren Slots ein Schatten auf mich, auf alles, vor allem auf diesen autoritären Kommunarden. Aber auch täglich ätzend auf die Frauen um mich. Der Krieg ist draußen, tobte es in mir: Hexen, Schlangen, dieser Arsch von Prinz, mein Unterdrücker. Hallte mich doch schon die Frauenbewegung gelehrt. Der Mann ist an allem schuld, jeder Prinz küsst nur als Unterdrücker, will mich in der Dornenhecke, unter der Glasdecke, festhalten! Deshalb hatte ja John auch Mitleid gezeigt: A Woman is the Nigger of the World, bestätigte er.

Aber der Kommunarde, auch das ein Fakt, hat mich immer wieder ermutigt: Du hast keine Chance, aber nutze sie. Was auch sonst? Aufwärts, nach vorn. #Voranscheitern als ständige Lebendigseinerfindung. Was für ein Wort! Mühsame Selbsterforschung. Nichts da, du Opfer, er Täter, hier Gummiwand, dort Glasdecke. Der 68er Sturm unter uns, in mir, dieser frechsten aller Erschütterungen wurde immer heftiger, bis ich mir eingestehen musste, aber nicht wollte: Ich weiß nichts über mich. Wenn ich die Eva nicht sein wollte, wer war ich dann?

Grab me by the #Pussy. Das hat sich bei den Frauen nicht geändert? Auch bei dir und Brigitte nicht, dringt schon wieder in mein Ohr. Haben uns das die drei Männer soeben sagen wollen? Dass ich immer noch so ne Pussy-Tussi mit Versorgungs-Anspruch bin? Wie kommen die darauf? Sie, die… und da strauchle ich schon, weiß nicht so richtig weiter im Text. Das Private ist politisch! Das behaupte ich doch. Auch hier. SEIN Privates, nicht meins?

Später geht die Aufregung weiter. Jetzt als Streit zwischen Brigitte und mir. Sie enttäuscht, ich verletzt. Du ja auch nicht. Als Rainer dabei einfach nur lächelt, wird’s um so lauter. Ist ja alles gut, sagt plötzlich eine Stimme in mir, eigentlich flüstert sie nur. Weitermachen, beruhigt sie. Ist doch gut, dass du losgelaufen bist. Raus aus dem Gefängnis. Immerhin steht die Tür auf, ein Zeh ist auch schon draußen. Dauert halt, tut weh. Gibt nichts Besseres! Hallo? Ich wollte doch eine Königin werden, kopfschmerze ich. Dann muss ich lachen. Das Leben ist schön? Sicherheiten….

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