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Christa Ritter's Blog

6. Februar 2018
von Christa Ritter
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Die Opferrolle gefällt mir nicht!

Ein zweites Mal klagen Frauen die Gewalt der Männer an. Kein Respekt, nirgends. Der Mann nutze seine Macht, um sie als Abhängige zu missbrauchen. Die Anklage der Frauenbewegung Ende der Sechziger lautete ähnlich. Hat sich in 50 Jahren also nichts bewegt? Oder kann man damals nicht mit heute vergleichen?  Aber auch nach dem 68er Aufbruch fühlten wir Frauen uns als Opfer. Zum ersten Mal mit radikaler Empörung: Der Mann ist mein Unterdrücker, er ist an der ganzen Weltmisere, natürlich auch an meiner, schuld. Deshalb muss er sich ändern! Ich hatte mich kurz zuvor, in dem ersten verrückten, dem eigentlichen 68er Jahr noch wie auf Schwingen gefühlt. Alles ist möglich! Nun war plötzlich die schöne Vision einer liebevolleren Welt der Gleichen, der Freunde, abgestürzt. Ich fühlte mich merkwürdig betrogen, als Opfer, vom Mann kolonialisiert, hatte keine Ahnung, wohin ich ging, was Frausein im Gegensatz zu Mannsein bedeutet. Mein Blick auf Mann und Welt war wieder patriarchal geworden. Heute würde ich sagen: ich war nicht in der Lage, mich als vollwertige Frau zu sehen. Ich sah nur den Mann, war geradezu  auf ihn fixiert. In bester Eva-Tradition gab ich damit Adam die Macht zurück: Er bestimmte, wo’s langgeht und das war für mich zwar bequem, weil allgemeine Gewohnheit, passte mir gleichzeitig ganz und gar nicht. Ich bockte und blieb im Puppenhaus sitzen. Und die Frauenbewegung? Sie versandete im ähnlichen Dilemma: Selbsterkenntnis, Gleichheit konnte nur vom Mann ausgehen.

Der Mann! Denn durch meine Opferaugen war er wieder der selbstherrliche Gatekeeper, ich insgeheim seine beleidigte Widersacherin. Mein Selbstbild war zurück im Negativen oder war nicht mal vorhanden und wo oben war, stand der Patriarch. Nur der Mann hatte Geist, Macht, war kreativ. Daher beschloss ich, ihn zu beklauen: Nutzte seine sehr langsam anlaufende Bemühung um Selbsterkenntnis, also seine Gefühlswelt, sein Wissen – in Beziehung und Arbeit. All diese Angebote unserer von Männern dominierten Gesellschaft, von ihm definiert, nicht von mir: Auf diese Weise blieb ich ein Mädchen mit Sehnsucht aber weit entfernt von einer selbstbewussten Frau. Seelisch wie psychisch gesprochen: außen ein ständig falsches, weil verlogenes Lächeln im Gesicht, weil nur innerlich rebellierend.  Hinter meiner Maske blieb ich störrisch, irgendwie Opfer der Verhältnisse. Die Frauenbewegung hatte uns Frauen mit ihrem einseitigen, weil nur an Männer adressiertem Anspruch, vom patriarchalen Thron zu steigen, als Opfer, Räuberinnen oder auch Hexen zementiert. In solcher Defensive  lernte ich nichts über mich, über das Mädchen hinaus, über die Räuberin, über meine eigene Täterschaft. Langsam landete ich immer mehr in einer Depression.

Statt mich dann umzubringen,  lernte ich ein paar verrückte Frauen und einen Mann kennen, die einen Weg raus aus dem vertrackten Geschlechterscharmützel übten. Rainer und die Frauen wussten längst, dass Mann oder Frau im Krieg verhakt bleiben, wenn sie im Geschlechtlichen hängen bleiben. Projektion zurücknehmen.  Sie hatten sich so auf den Weg der Selbstveränderung gemacht. Ihr Rückzug aus den üblichen Angeboten funktionierte wie ein Labor, wo du den gierigen Blick nach außen umdrehst nach Innen.  In diese Arbeit stieg auch ich ein, machte mich endlich auf den Weg: Wer bin ich? Raus aus dem bequemen Puppenhaus, aus Mutti-Bequemlichkeit oder Papi-Auftrag, als vermeintliches Opfer von Tätern beschützt, als ein Mädchen, das mit räuberischem Lächeln dennoch immer ins Leere läuft.

Ihr werdet es kaum fassen können: Mein Räuberwesen dauert bis heute an, ist aber immerhin weniger geworden. Denn lange Zeit klaute ich von meinem Gefährten Rainer alles, was nicht niet und nagelfest war. Seine Thesen, viel seiner nachdenklichen Seite, seine Anregungen, bei meinen Projekten auch seine Mitarbeit. Immer gleichzeitig zeternd, dass ich nicht authentisch als Frau (oder Mensch?) selbst kreativ war. Dieser schwierige Weg zu mir selbst dauert sehr lang, war bisher nur selten Friede, Freude, Eierkuchen, ist manchmal so, dass ich verzweifeln möchte. Und doch wüsste ich nichts Besseres. Denn irgendwie ist es auch fantastisch, wenigstens den Hauch einer Veränderung zu spüren. Den merke ich oft nur, wenn mein Obergefährte mich erinnert. Weitermachen! Raus aus dem Puppenhaus bedeutet eben vor allem ein Weg der Entschlackung von der weiblichen Körperfixierung: Unterwerfung und Leugnung der Macht, die ich mir als Opfer oder versteckte Räuberin ständig selbst anmaße. Also auch nur selbst auflösen kann. Und da sehe ich auch wieder die Verbindung zu #metoo. Diese Debatte meint vielleicht wie 68: Frau will den alten Deal nicht mehr mitmachen. Sie versucht wieder einen Anlauf: Aber mangels Sicht auf sich selbst beschimpft die Frau erneut den Mann. So bleibt vorerst im Schatten, welches Machtspiel sie selbst betreibt.

 

20. Januar 2018
von Christa Ritter
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Selbst-Revolution: Auch was für Frauen!

Es ist noch Vormittag. Ich liege bereits völlig erschöpft auf dem Sofa, gleich platzt mein Kopf. Den eigenen Wahnsinn auszuhalten, ist schwer. Kein Wunder, dass ich den so lange verdrängt habe, zumindest nicht ganz nah an mich heran ließ. Meinen und den der alten Welt. Gestern hat er mich wie Orkan Friederike ereilt. Mich verließ jeder Bezug zu so etwas wie der sich auflösenden wie der leise anklopfenden Realität und ich fiel in die Depression. Mein Normalzustand seit Jahren. Alle 68er sind depressiv? Stimmt das? Ich gestehe mir dieses schwankende Brett unter mir nicht gern ein. Ein unguter Zustand, der, wenn ich Rainer glauben könnte, gleichzeitig bereits der Weg in diese neue, virtuellere Weg einer Internet-Community ist. Aber kaum jemand könne dieses Netz größerer Kommunikation bisher schon als ein Tool begreifen, das uns einen ersten Schritt aus der mörderischen Welt des Kapitalismus, letztlich auch dich aus deiner Depression raus helfen wird. Ermutigt mich dieser Mensch immer wieder, der seine 68er Kommune-Erfahrung mit der heutigen Lage in Verbindung bringt. Der sogar in der derzeitigen gefühlten Zeitenwende den konsequenten Abgesang auf eine gescheiterte Aufklärung und einen evolutionären, Sinn machenden Übergang in eine bessere Welt sieht.

Das Internet, als Erfindung der Hippies, wie 68 kurz visionär erlebt: Wir vergrößern im Netz unseren Freundeskreis (Milliarden Facebook-Freunde!), verteilen unsere Daten, tauschen persönlichste Infos aus. Alles gehört jedem, wir sind alle Eins. Die allgemeine Zärtlichkeit der damaligen Berliner Kommune würde derzeit so zu einer weltweiten Community, erläutert mir Rainer zum tausendsten Mal. Na klar: Make love not war. Aber wo ist sie denn, die Liebe? Oder auch nur die allgemeine Zärtlichkeit. Bin ich blind? Der fair getraidete Kaffee hilft mir leider heute Morgen nicht, der Frage näher zu kommen. Häme, Haudrauf und Katzenfotos, jaja: die Freunde sind unterwegs. Wir alle strampeln uns im Netz ab, um am Ende des Tunnels das Licht…

Dass sich durch das Internet so viel geradezu grundsätzlich verändert, kann ich durch meine Piratenerfahrung und die täglichen Posts und Likes immerhin ahnen. Bin aber entfernt davon, diesen Trump als Botschafter der Kommunikation oder, wie ihn Rainer nennt, als einen ersten Avatar zu sehen. Er würde von den Alten genauso abgelehnt weil missverstanden wie damals die Kommunarden. Trump halte der Welt den nötigen Spiegel vor die Nase: Ich bin ein Arschloch und will great again werden, wie ihr auch. Revolution! Damit sei Trump ehrlich, zeige nämlich das Arschloch, das er erstmal ist. Erst wenn man dazu stehe, dass man krank ist, beginne die Besserung, so Rainer. Bei uns wuseln derzeit noch die Parteien, um eine Regierung hinzukriegen. Sie sagen noch nicht öffentlich, was wir im Privaten vielleicht schon erkennen können: Dass das Elend hinter den Bergen, dem Mittelmeer und den Wüsten unser eigenes ausgelagertes Elend ist. Aber die Geflüchteten zeigen mir meinen Krieg, die Gier, dieses ganze Elend unseres Kapitalismus. Dass die Aufklärung längst gescheitert ist, genauso der Marsch der Linken und Neoliberalen durch die Institutionen. Welche Revolution wollen deshalb die Rechten? In welcher Revolution stecke ich?

In einer, die es bisher noch nie gab: auch die der Frauen!

 

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Wir leben die Alternative und merken es noch nicht

Meine Zahnärztin heute: „Auch nach den #Wahlen, keine #Perspektive. In Deutschland, auf der ganzen Welt, geht nichts weiter. Alle verkrümeln sich oder schlagen um sich.“ Ich: „Wir sind schon auf einem Weg in die Zukunft, aber es ist uns nicht bewusst.“ Ich dachte dabei: Seit 40 Jahren übe ich mit dem #Harem, aus unserem #Besitzgefängnis rauszufinden. Lange Zeit, aber trotz allem, es gab nichts Besseres. Die Zahnärztin, als hätte sie meinen Gedanken gelesen: „Es ist verrückt. Eigentlich sind wir alle schon woanders, aber es reicht nicht.“ Ich nicke. Unruhe, everywhere. So lauten die meisten Gespräche unter uns? Ängstlich. Wir wissen eben, so geht’s nicht weiter, diese Selbstzufriedenheit und wir ahnen sogar, dass die #Alternative schon hinter der Ecke lauert. Nicht die #AfD.

Draußen, die sichtbaren Turbulenzen immer noch weit weg: Eine #Naturkatastrophe jagt dort die nächste. Aber die Einschläge werden näher kommen, die #Flüchtenden sind ja schon da.

Gestern spät nachts las ich einen spirituellen Text: „Unsere Welt ist düster und voller Gewalt. Aber die Menschheit entwickelt sich. Schritt um Schritt.“ Bisher hat sie sich nie aus Krieg und Gewalt befreien können, auch die Aufklärung ist am Ende. Alles Alte, das Vertraute stimmt nicht mehr, hat Schimmel angesetzt und disruptiert. Irgendwann wird das #GoldeneZeitalter anbrechen, heißt es im heiligen Buch weiter. Ich habe ja auch noch dieses kleine Buch mit #RainerLanghans gemacht. #soistsheißt es und ihr könnt es auf #Amazon bestellen. Ist wirklich aufschlussreich, plötzlich siehst du darin dein #Navi, wie alles gelaufen ist. Voll bisher verborgenem Optimismus, weil in Wirklichkeit der lange Weg einer positiven Erfahrung. Vieles davon kann ich übertragen, du vielleicht auch, wir alle. Rainer hat für sich (und für mich usw.) zunächst das Rätsel 68 gelöst, das viele von uns noch immer drückt. Für einen kurzen Moment verkündeten die #Beatles: All you need is Love. Und in Berlin tanzte die Kommune I auf dem Ku-Damm: Lächeln. Gleich danach: Alles wieder trüb, schwarz die Nacht. Während in Kalifornien ein paar kluge Leute langsam ein #Tool entwickelten: das #Internet. Seit 20 Jahren üben damit all wir kriegerischen Menschen, wir hasserfüllte Bürger, die globale #Kommunikation. Die bedeutet: Endlich wird der Giftschrank aufgestoßen. Öffentlich: Das Private ist politisch. Es stinkt gewaltig! Im Netz gibt’s somit erstmal wenig Lover, mehr #Hater. „Wir sollten anständig sein,“ fordert ein Autor auf der Buchmesse und rümpft die Nase. Oder diese Einigkeit aller Liberaler: Dieser Kindskopf, dieser Idiot #Trump. Überall Reibereien, das Abschlachten der alten Welt, ist zur #Disruption im Netz freigegeben. Veröffentlichung heilt? Da willst du lieber nicht hinschauen? Auch mich reißt oft die Wut vom Stuhl. So brutal ist der Mensch? Bin ich? Rainer beschreibt in seinem kleinen Buch #soists, einem Stream of Consciousness, wie er langsam, Schritt um Schritt, mit Hilfe eines Lehrers aus der Hölle raus kraxelt: „Mir geht es immer besser“. Er sagt daher: Es gibt ein Licht, wir sehen es nur noch nicht. Now more than ever, heißt es eben in der Mail von TEDx als Motto für realistische Ideen. Als wüssten auch diese Veranstalter: Die galoppierende Verrohung ist die Krake in uns, die vom Tool Internet gebändigt wird. Hasserfüllte Bürger, rüpelige Politiker und dahinter geht die Sonne auf? „Erste Schritte in die Liebe,“ sagt Rainer. Aufklärung 2.0

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Allein in der Community

Bist du ein #Einzelgänger, fragte mich kürzlich meine Groß-Nichte. Sie wird in einer #Kleinfamilie groß. Natürlich in einer heutigen, die schon so viel offener ist, als die der bleiernen Vor-68er-Zeit. Als sie mich fragte, war ich gerade bei meiner Blutsfamilie zu einer #Hochzeit angereist. Ich fühlte mich in dieser alten Welt etwas fremd, aber längst nicht mehr so fremd wie früher. Eigentlich kam ich mir wie ein #Alien vor, der sich mal auf dem alten Planeten umschaut. Sympathisierend. Dann dachte ich über diesen Begriff Einzelgänger nach und stieß dabei auf die Zweifel, die mich immer mal wieder packen. Die Zweifel, ob als einzelgängerische Frau, als weiblicher Single ein gutes, ein besseres Leben als die Ehe oder Beziehung überhaupt möglich ist. Kann es einer Frau gelingen, sich von der Eva-Rolle, von ihrer Definition über den anderen, meist einen Mann, zu befreien, um sich selbst zu erkunden? Wird es mir gelingen?

Mit diesem Ziel tat ich mich vor 40 Jahren mit vier Frauen zusammen. Sie waren auf demselben Weg. Frauen mit mehr oder weniger #Beziehungsfrust wollten endlich zu sich kommen, zu Einzelgängerinnen werden, high und #postgender. Ich, als eine Frau auf gleicher Augenhöhe: Aus dem eigenen Inneren schöpfend mich minimal in der Welt bewegen.

Diese 40 Jahre wurden dann sehr aufregend. Es gab keinen #Trampelpfad, alles für mich unbekannt. Entsprechend oft war ich verzweifelt oder aggressiv gegen jede und jeden und alle anderen waren schuld. Aber dieses #Labor war auch wunderbar, wichtig und eigenartig schön – sonst hätte ich die Koffer gepackt. Den anderen Frauen ging es wohl ähnlich. Auch um diesen Weg nicht leichtfertig viel zu oft als Stillstand zu erleiden, machte ich in diesem Jahr das Buch #soists mit #RainerLanghans. Ich habe ihn früher mal meinen #Vortänzer genannt, einen Mann, der immer wieder und unermüdlich das Licht in mein Dunkel hält, wenn ich nichts mehr sehe. Das Buch erzählt Rainers Sicht auf die Welt, wie sie sich dank dieser #68erVision bis heute ins #Internet und höher/weiter verändert. Er schaut dabei natürlich durch seine persönliche Erfahrungs-Brille. Aber mir gefällt sie, ich kann darin immer wieder mal eine Resonanz zu meinem Weg entdecken. Und ich vermute, so könnte es jedem gehen, wenn er denn von seiner inneren Seite, dieser so unbekannten, aus sich zu schauen trauen will. Manchmal: in Not ist. Okay, wir haben für uns etwas scheinbar Besonderes, eine weibliche Kommune, den #Harem, erfunden.

Aber wir sind nicht die einzigen Einzelgänger, besonders, seit es das Internet gibt. Dieses Tool, das wissen wir ja, ist eine große #Community, das uns mit Freunden weltweit verbindet, die sich auch manchmal virtuell aufeinander als #Hater stürzen. Gehört zum weniger Lügen dazu, haben wir im Harem auch oft gemacht: Da musst du durch, um nach oben zu finden. Schritt um Schritt. Vorausscheitern, nennt das Rainer. Für die Jungen ist die weltweite Kommune schon kein großes Ding mehr: Das Internet löst also das Modell #Ehe, Einzelbeziehung schon lange auf. Immer mehr Freunde als Einzelgänger schenken #Facebook und anderen #SozialenMedien ganz easy all ihre privaten #Daten und bevölkern so eine schönere Heimat oder Ehe mit allen. Ob das ahnend meine kleine Groß-Nichte mit ihrer Frage meinte?

Foto: Jutta, Rainer und ich (in den Achzigern)

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Da will was raus!

Nach dieser verrückten #68er Zeit, die mich in etwas Neues wirbelte, das ich noch gar nicht kapierte, las ich erste frauenbewegte Bücher aus den USA und England. #BettyFriedan (Ihr habt nichts zu verlieren außer eurem Staubsauger!), #KateMillet oder #GermaineGreer. Alles ist möglich, nur wie und was? Auch ich wollte eine ganz andere Frau werden als meine Mutter oder #Twiggy#MaryQuant oder #Barbarella. Wer bin ich? Immer mehr Freundinnen enttäuschten mich: Sie waren ganz schnell weg, sobald ein Mann auftauchte.

Trotz #Frauenbewegung und guter Vorsätze. Der Mann blieb also trotz Aufbruch die einzige Referenz für jede von uns? Etwa auch für mich? Nicht wirklich, glaubte ich. Aber ich blieb verstört, enttäuscht und landete damit zunächst beim #TMMaharishi und seiner #Meditation, eine Freundin in #Auroville, zwei bei #BaghwanOsho.

Die Frauenbewegung war zu unseren Ungunsten gestartet, hatte verkündet, nur die Männer müssten sich schwer ändern, damit auch Frauen besser leben als bisher. Nichts als eine Sackgasse? Was sollten uns die Gurus erzählen? Wieder jemand von außen, wieder ein Mann. Wie geht mein Frauenweg, wenn ich zu mir selbst kommen will, statt weiter auf den Mann zu starren? Keine Chance, nirgendwo: Egal, wohin ich mich in dieser Men’s World wende, immer ist sie geprägt von männlichen Genies, Politikern, Machern, Könnern. Eine einseitige Welt, in der ich als Frau immer im Schatten stehe. Opfer statt Täter? Ich müsste also einen weiblichen Raum finden, um zu üben, und um so den Weg aus meiner #Biologie herauszufinden? Aus den einzigen geübten #Rollenbildern für uns: Mutter, Geliebte, Hausfrau. Immer den Mann im Blick statt mich? Das war mir Mitte der Siebziger, mitten im großen Frust, gar nicht so klar. Klar war nur, dass es mir schlecht ging und ich ratlos vor mich hin driftete. Sogar in Richtung Traumjob: #Filmemachen, schwer besetzt von Männern. Welche Chance hatte ich? Denn ich war nicht bei mir, kannte mich nicht die Bohne. Vielleicht war es dann ein großes Glück, dass ich diesen #ExKommunarden traf, der schon aus dem üblichen Männer-Dominanz-Geschäft ausgetreten war, in das er dank zuvor #KommuneI auch nie wirklich eingestiegen war. Für ihn war längst auch Uschi vorbei, er hatte einen Meister für die Strecke des Raus-aus-dem-Biologischen gefunden. Und schon andere Frauen übten in seiner direkten Nähe diesen unbesetzten, weil not-wendigen, ersten weiblichen Raum: Wer bin ich?

Als ich diese Leute traf, ahnte ich, wie schwer es auch für mich würde, wenn ich mich zu dem geselle, was später die Medien einen #Haremnannten. Aber ich wusste nichts Besseres. Das geht bis heute so, trotz aller Höllen, die sich bald auftaten. Wir Frauen kannten zunächst ja unsere düstere Seite nicht, wollten sie aber erlösen, die dort gebunkerte Kraft erleuchten. Heute würde ich mich über die Erfahrungen seitdem gern auch mit anderen austauschen. Oder noch immer zu feige, brütend im Versteck? In welcher Sprache? Sprachlosigkeit überall? Denn auch der heutige#Feminismus hat sich aus der Sackgasse noch nicht befreit. Also redet bisher noch nur mein Gefährte, so in seinem Buch #soists – und ich bin die Ghostwriterin. Immerhin, stottert es in mir. Scheiße! Erzähl doch mal von dir, fordert gerade auch immer mal wieder Gisela. Wer noch? Sogar meine Speiseröhre speit Feuer und ätzt die Mundhöhle. Da will was raus!

12. Oktober 2017
von Christa Ritter
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Autisten aller Länder

Gestern Geburtstagsparty bei einem Freund. #Asperger oder #Autisten, wohin ich schaue. Wie ich. Durch das Buch #soists von Rainer angestoßen, eine relativ neue Erkenntnis meines Wesens, die plötzlich vielen Spuren hinter mir eine genauere Färbung gibt. Autistin? Ja, ist vielleicht etwas plakativ. Ich meine dieses von Anfang an Unfähige, dieses Nichtkönnen, mich mit der alten, für mich letztlich immer eigenartig unzumutbaren Welt zu verbinden. In #Beziehungen wie in meinem Karriere-Gewusel. Immer etwas Schräges, Unglückliches. Nicht, weil ich eine #Frau bin. Könnte natürlich auch ein Grund sein oder ist er das sogar? Nö, da ist mehr: Ich sah die Menschen von klein auf immer als Lügner. Später verdeutlichte sich meine Macke: Ich wurde einerseits immer spröder, andererseits gab es bei mir seit 68 auch ein oft peinliches Talent zur #Extroversion. Grenzenlos, himmelhoch jauchzend. Du bist ziemlich dominant, sagt mir noch heute eine Freundin. Und meint mich, wenn die beiden Seiten nicht zusammen gehen und daraus dieser überdrehte Schwang entsteht. Überwältigung vielleicht. Zurück zum Autismus, den ich inzwischen bei vielen Jungen sehe und schon bei den #Piraten, ja, allen #Nerds entdeckte. Heißt: Hier heimatlos, woanders richtiger. Im Virtuelleren, glaube ich. Ich vermute, das war schon immer so, verstärkt dann durch meine 68er Erfahrung. Es gibt nämlich so viel mehr, besseres, wie eben immer, aber besonders damals gefühlt. Ist also irrational? So wie beim #Trump? Verzeiht. Diese kurze Frage streiche ich gleich wieder. Ist gedanklich-gefühlt noch unausgegoren. Ich konnte und wollte wohl auch mich HIER nicht so einsetzen, dass es ein Gelingen in Normalität hätte werden können. Stattdessen Rückzug, Harem, auch verrückte Projekte, immer was erneut Scheiterndes. Ich konnte mich nicht greifen. Nicht im Körperlichen. Und jetzt? Wie lautet der Stand der Dinge einer irgendwie sich jung behauptenden #Alten? Mir scheint, dass wir alle ziemlich wackelig, aber doch gut auf dem Weg sind: Facebooker, Geburtstagsfreunde, Hochzeiter auf einem alten Fischerboot. Ich finde: alle irgendwie freundliche #Aliens. Umso merkwürdiger diese #Wahlplakate

8. August 2017
von Christa Ritter
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Die Politik der Liebe

Heute aufgestöbert: Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Hardt schrieb über 68 und den Summer of Love in ‚On the Politics of Love‘ (Die Politik der Liebe). Er erklärt darin, dass wir dank der damaligen Erfahrung schon lange einer erweiterten Vision der Liebe folgen. Wir lassen ihre herkömmliche Art hinter uns und gehen ständig weiter. Wir lieben nicht nur unsere Familie und unsere Partner, sondern immer mehr auch den Anderen, den Andersartigen. So würde Liebe langfristig zu einer Kraft, die die Gesellschaft zum Besseren verändert. Das Tool dazu ist das Internet.

21. Juli 2017
von Christa Ritter
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Das Private ist politisch

Das Private ist politisch? Was heißt das denn eigentlich? Dich selbst verändern, verbessern und dazu das Tool Internet nutzen, möchte ich diesen Satz verstehen. Kann man auch anders ausdrücken? Na klar, wie Rainer Langhans in #soists. Der Satz stammt aus der Kommune I, damals 1967, schreibt Rainer. Meint: Revolutionierung des Alltags. Also so sein, wie du eigentlich bist. Ein langes WERDEN wie du bist. Heißt letztlich: Keine Privatsphäre, also nichts vom Öffentlichen abgetrenntes Privates, schön im Häusle verborgen. Also alles ins Netz! Meint: Allgemeine Zärtlichkeit als Runterfahren von Konsum und Sex, also kein übliches Besitzgetue, an nichts und niemandem. Oh nein! Geht das? Love and Peace haben wir als Junge das weltweit auch genannt. Wir wissen, zumindest ahnen heute: Der alte Krieg der Körper ist uncool (war #G20 in HH auch nicht).

Dieser Satz weist auf den Ausstieg aus unserem Scheißleben, den wir schon üben: Auf Twitter und Facebook alles teilen, alles mitteilen. Befreit alle Daten aus ihren Gefängnissen, so Rainer. Totaler Kontrollverlust, kein geistiges Eigentum, Communities und 1,9 Milliarden Freunde. Das verändere die Welt tiefgrundmäßig. Sie wird durch die neuen Medien jeden Tag ein wenig besser, geistiger. Cooler. Noosphäre. Durch jeden von uns! Gute Nachricht in all dieser derzeitigen Unübersichtlichkeit. Wir sind laut diesem Vorreiter, also vielleicht doch längst ein Schritt raus aus dem Turbo-Waren-Exzess, der Gewalt, dem schlechten Leben.Wenn wir es denn sehen können.

16. Juli 2017
von Christa Ritter
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Welcome to Hell!

Aus Hamburg Bilder brennender Autos, zerschlagene Scheiben, schwarz-Vermummte. Nee, Gewalt, die geht gar nicht, kommentiere ich und komme mir gleich wie eine Alte vor. Ist ja wie damals, als hätten wir seitdem nichts gelernt. Ein Freund, scharf: Na, was denn? Was haben wir seitdem gelernt? Dass die Linken wie Neoliberale sind und auch nichts ändern? Da haben diese Leute doch recht! Bei mir kurzes Luftschnappen: Aber doch nicht wieder mit dieser Gewalt! Ein kurzer Flashback: Damals gings auch gegen das Scheißsystem, war ich Sympathisant. Macht kaputt, was euch kaputt macht. Die Krake Kapitalismus. Und seiner Gewalt, die mir als Antwort einer tiefen Verzweiflung gerechtfertigt schien. Damals. Tatsächlich ist die Welt nicht besser geworden, eher schlechter. Es ertrinken Hunderte im Mittelmeer, verenden in Flüchtlingscamps, brechen Staaten auseinander. Und wir sind Exportmeister, auch dank unserer Waffengeschäfte. Welcome to hell! Da soll man nicht draufhauen wollen?

Es muss anders gehen. Wer sagt das nicht? In unserem Harem-Labor haben wir vor Jahrzehnten den Besitzwahn in Angriff genommen. Auflösen: Jede Frau für sich. Uns schockierte bald, dass da ein schwerer Brocken zu bewältigen ist. Daher: Es dauert an. Frauen hängen wie blöd an der Mutter oder am Vater, jedenfalls am Materiellen. Wissen sie das? Auch ich bin noch immer nicht durch. Neid, Habgier, Eifersucht – alles schon erheblich weniger, bilde ich mir ein. Jetzt könnte ich mich von zwei auf ein Zimmer verkleinern. Geht nicht. Noch nicht. Ist das zu fassen? Welcome to hell. Oder mit mir mal freundlich zu sein, mit dir. Wenigstens hier im Netz. In unserem Buch #soists sagt #RainerLanghans: Es gibt endlich einen Ausweg aus der Hölle des ewigen Krieges: das Internet. Wir benutzen es, kommunizieren, teilen mit der Community. Das ist schon Freundliches, auch der Shitstorm. Er gehört erstmal dazu. Den Keller aufräumen, lieben lernen. Lest mal im Buch, das könnte dem Bewusstsein helfen. Oder ist Rainer ein Träumer?

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